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Faire Mieten für Senioren im Blick

Doppelte Hürde: Oft reicht die Rente nicht, und nur die wenigsten Wohnungen sind altersgerecht ausgestattet

24. Juni 2021 / 15:56 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Im Alter droht Mietern eine doppelte Hürde. Oft reicht die Rente nicht, um die Miete zu bezahlen. Zusätzlich sind die wenigsten Wohnungen im Main-Kinzig-Kreis seniorengerecht. Häufig wird dann schon ein Rollator zum Problem. Darauf weist das Pestel-Institut (Hannover) hin. Dessen Leiter spricht von einem „Doppelschock für Mieter“, die älter werden: „Genug Geld fürs Wohnen und eine altersgerechte Wohnung – das sind die beiden Punkte, an die jeder Mieter schon frühzeitig denken sollte“, sagt Matthias Günther.

Um Mieter möglichst effektiv vor einem „Miet-Reinfall“ zu schützen, hat sich der Leiter des Pestel-Instituts für die Schaffung des ersten bundesweiten Mieter-Gütesiegels starkgemacht. „Mein Fair-Mieter“ ist ein Label, das nur Vermieter bekommen, die strikte Kriterien einhalten – allen voran eine auch im Alter für viele Menschen noch bezahlbare Miete. „Für den Main-Kinzig-Kreis bedeutet dies konkret, dass die durchschnittliche Nettokaltmiete fairer Vermieter in Maintal 8 Euro, in Erlensee, Hanau, Rodenbach und Schöneck 7,50 Euro, in Bruchköbel, Gelnhausen, Langenselbold und Nidderau 7 Euro pro Quadratmeter im Monat betragen darf. In Bad Soden-Salmünster und Steinau liegt die Obergrenze bei 6 Euro und in allen übrigen Kommunen bei 6,50 Euro.“ Wer als Vermieter darüberliege, habe keine Chance, das „Fair-Mieter“-Siegel zu bekommen.

„Überwiegend sind es öffentliche Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften, die das Label nutzen, um ihren Mietern zu zeigen, dass nicht der Profit, sondern sozial kalkulierte Mieten und ein guter Standard bei der Wohnqualität im Fokus der praktizierten Wohnungswirtschaft stehen“, sagt Matthias Günther.

Ein Aspekt, der bei der Vermieter-Prüfung im Zuge der Label-Vergabe eine Rolle spiele, sei die Zahl der Wohnungen, die keine oder möglichst wenige Barrieren haben. Davon gebe es im Main-Kinzig-Kreis maximal 4 900, schätzt das Pestel-Institut. „Doch nur in rund der Hälfte der Seniorenwohnungen leben tatsächlich auch ältere Menschen. Altersgerechte Wohnungen ohne Schwellen und mit breiten Türen sind auch für Familien attraktiv: Wo Platz für einen Rollator oder Rollstuhl ist, kommt man auch mit einem Kinderwagen klar. Barrierearme Wohnungen bieten einen Wohnbonus – ein Luxusmerkmal fürs Wohnen“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts.

Bei den Seniorenwohnungen treffe allerdings ein geringes Angebot auf einen hohen Bedarf: „Aktuell ist für den Main-Kinzig-Kreis von rund 14.300 Haushalten auszugehen, in denen Senioren leben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ältere Menschen also, für die eine mindestens barrierearme Wohnung die Voraussetzung für ein möglichst langes eigenständiges Wohnen ist. Da nur rund 2.450 von ihnen heute schon in einer Seniorenwohnung leben, lässt sich der Bedarf sehr konkret benennen: Aktuell fehlen im Main-Kinzig-Kreis rund 11.850 Seniorenwohnungen“, rechnet Günther vor.

Dabei werde der Mangel an Wohnungen für Ältere – die „graue Wohnungsnot“ – in den kommenden Jahren steigen: Wer in den 60er-Jahren, im Babyboom-Jahrzehnt, geboren wurde, kommt demnächst ins Rentenalter. Der Jahrgang 1965 wird 2035 das 70. Lebensjahr erreichen. Dann wird es im Main-Kinzig-Kreis nach Berechnungen des Pestel-Instituts bereits 17.900 Haushalte geben, in denen Ältere mit eingeschränkter Mobilität leben – ein Plus von 25 Prozent. Auch deshalb dränge er als Vorstand des Gütesiegels „Mein Fair-Mieter“ darauf, im Zuge von Sanierungen möglichst immer auch einen Teil der Wohnungen seniorengerecht umzubauen, so Günther.

Mehr zum Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ gibt es im Internet unter www.meinfairmieter.de.

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