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„Familien sind systemrelevant“

Katja Leikert über schwierige politische Entscheidungen in Corona-Zeiten und die Öffnung von Schulen und Kitas

29 Mai 2020 / 17:07 Uhr
Main-Kinzig-Kreis. Sie ist direkt gewählte Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Dr. Katja Leikert ist aber auch zweifache Mutter. Nicht nur deshalb liegt ihr die Familienpolitik besonders am Herzen. Im Interview mit GNZ-Redakteur David Noll spricht Leikert über Familien zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice in der Corona-Krise, noch immer vorherrschende Geschlechterklischees und darüber, warum sich die Politik mit der Öffnung von Schulen und Kitas so schwer tut. Dass sie weiß, wovon sie bei der nicht immer einfachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf spricht, wird im Telefon-Interview schnell deutlich. Mitten im Gespräch klingelt es an der Tür. Leikerts Tochter kommt nach Hause, der Unterricht für die Viertklässlerin ist um 10 Uhr schon wieder beendet. Trotzdem hat sie sich für die GNZ Zeit für ein längeres und sehr persönliches Gespräch genommen.

GNZ: Frau Dr. Leikert, fühlen Sie sich in der Corona-Krise eigentlich manchmal in die 50er Jahre zurück versetzt?

Dr. Leikert: Persönlich gar nicht, weil ich in der glücklichen Situation bin, dass ich derzeit gut 80 Prozent meiner Arbeit über Video-Konferenzen erledigen kann. Natürlich fällt dabei auch etwas weg, vor allem die persönlichen Kontakte, die man sonst in Sitzungen oder bei Begegnungen mit Menschen aus dem Wahlkreis hat. Aber viele Diskussionen, auch Verhandlungssituationen in der Fraktion, können tatsächlich über digitale Tools abgewickelt werden. Vielleicht sogar mit einer höheren Konzentration, weil die aufwändige An- und Abreise wegfällt und die zur Verfügung stehende Zeit effizienter genutzt werden kann. Außerdem sind meine Kinder in einem Alter, dass sie verstehen, wenn die Mama vielleicht einmal zwei Stunden lang nicht gestört werden kann.

Jetzt haben Sie diese Frage sehr geschickt mit Blick auf technologische Aspekte beantwortet. Die Frage bezog sich aber eher darauf, wie derzeit über Gesellschaft und Familien diskutiert wird. Fast scheint es ja so, als werde es als selbstverständlich angesehen, dass Kinder wieder lediglich in den Familien betreut werden, vor allem von Müttern. Deshalb anders gefragt: Warum wird die Bewältigung der Corona-Krise derzeit vor allem auf dem Rücken von Familien, insbesondere der Frauen ausgetragen?

Ich glaube, dass jetzt einfach noch einmal deutlich wird, wie wichtig eine gute Infrastukur für Familien ist. Ich habe immer wieder betont, dass wir eine gute und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung brauchen. Wenn die wegfällt, das sehen wir in der Krise, ist es einfach enorm schwierig, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen. Auch deshalb, weil wir eben nicht mehr die familiären Strukturen haben, wie etwa in den von Ihnen erwähnten 50er Jahren. Jetzt zeigen aber auch einige Umfragen, dass Frauen nach wie vor mehr Sorgearbeit übernehmen, sich häufiger um die Kinder und die Hausarbeit kümmern als die Männer. Manchmal kann ich gar nicht glauben, wenn ich diese Umfragen sehe, dass die Beteiligung von Vätern am Haushalt und der Kindererziehung vielerorts offenbar noch immer sehr schlecht sein soll. In meinem privaten Umfeld kenne ich auch sehr viele engagierte Väter. Das ist aber etwas, was eigenverantwortlich in den Familien geregelt werden muss. Aufgabe der Politik ist es dagegen, passende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen eben nicht in bestimmte Rollenklischees gedrängt werden wie in den 50er Jahren.

Das komplette Interview lesen Sie in der GNZ vom 30. Mai.

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