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„Fangt wieder an zu singen!“

Hubert-Thorwald Reuter und Bettina Müller warnen vor Chorsterben

26 Jun 2020 / 17:26 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (mab). Gesangvereine könnten zu den größten Verlieren der Corona-Krise gehören. „Wenn ein Chor bis Januar nicht probt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er das kommende Jahr nicht überlebt“, warnt Chorleiter Hubert-Thorwald Reuter (unter anderem Ars Cantorum Main-Kinzig, Chorforum Langenselbold und Pro Musica Karben) vor einem massiven Vereinssterben auch im Main-Kinzig-Kreis. Gemeinsam mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Müller aus Flörsbachtal richtet er jetzt einen dringenden Appell an die heimischen Chöre: „Fangt wieder an zu singen!“

Bereits vor der Corona-Krise hatte Hubert-Thorwald Reuter von einem massiven Chorsterben gewarnt. „Bedingt durch den demographischen Wandel wird die Sängerszene auch im Main-Kinzig-Kreis in spätestens zehn Jahren deutlich anders aussehen als heute“, ist er nach wie vor überzeugt. Dass der Männerchor Altenmittlau sich mit den Sängern der Teutonia Bernbach künftig zu einer neuen Chorgemeinschaft zusammenschließt, zeigt, wie brisant die Lage selbst in einer Sängerhochburg wie Freigericht ist. Doch die Pandemie könnte die Entwicklung jetzt noch drastisch beschleunigen, betont Reuter. Chöre drohten gleich durch zwei Gefahren auszubluten: durch finanzielle Einbußen und den zunehmenden Mitgliederschwund. „Kleine Vereine, die etwa auf die Einnahmen aus ihrem jährlichen Grillfest angewiesen sind, geraten durch das Veranstaltungsverbot schnell in finanzielle Schieflage.“ Beginnen sie in absehbarer Zeit nicht wieder mit dem Proben, sei die Gefahr hoch, dass ältere Mitglieder nicht wieder zurückkommen. Die Folgen wären dramatisch. „Gesangvereine erfüllen eine wertvolle soziale Funktion und sind vor allem für ältere Menschen ein wichtiger Halt. Wenn das wegfällt, wird nicht nur das kulturelle Leben deutlich ärmer“, ist die Bundestagsabgeordnete Bettina Müller überzeugt.

Mehr: GNZ vom 27. Juni.

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