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Gleich vier wollen in den Bundestag

Rode, Heer, Wiegelmann, Vogel: Bei der CDU wird es spannend

09 Nov 2020 / 10:04 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (wel). Nach dem angekündigten Rückzug von Dr. Peter Tauber ist bei der CDU die Frist für parteiinterne Bewerbungen um eine Bundestagskandidatur im Wahlkreis 175 abgelaufen. Vier Christdemokraten haben ihren Hut in den Ring geworfen: Volker Rode (Gelnhausen), Lutz Heer (Brachttal), Johannes Wiegelmann (Bad Soden-Salmünster) und Dirk Vogel (Ortenberg). Die vier Kandidaten haben sich am Freitag schriftlich bei allen CDU-Mitgliedern im Wahlkreis vorgestellt. Eine digitale Vorstellungsrunde soll voraussichtlich am Sonntag, 15. November, stattfinden, ehe ein Parteitag Ende des Monats (vermutlich am Samstag, 28. November) Klarheit schaffen wird.

Volker Rode (58), selbstständiger Handwerksmeister im Steinmetz-und Steinbildhauerhandwerk, ist zurzeit im Bundesvorstand der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) tätig. In dieser Funktion habe er sich „intensiv mit eingebracht, um Teilen des Handwerks wieder die Meisterprüfung zu ermöglichen“, was auch gelungen sei. Sein Interesse gilt vor allem dem Bereich Bildung „und der damit verbundenen Perspektive für unsere jungen Menschen“, wie er in seiner Bewerbung ausführt. Politische Erfahrungen hat Rode in den vergangenen Jahrzehnten als Fraktionsvorsitzender und Stadtrat der CDU in Gelnhausen sowie in der MIT als Kreisvorsitzender, stellvertretender Landesvorsitzender und aktuell als Bundesvorstand gesammelt. In den kommenden Monaten wolle er „für eine Politik mit Bodenhaftung aus der Mitte der Gesellschaft“ werben. Sein Schreiben an die Parteimitglieder beschließt Rode mit einem Zitat von John F. Kennedy: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden“.

Problemen des Mittelstands und der Wirtschaft, „die mit Überregulierung und immer weiter ausufernden bürokratischen Auflagen ausgebremst werden und oftmals zu Recht den nötigen Rückenwind aus der Politik vermissen“, will sich auch Lutz Heer (57) annehmen. Dem Brachttaler, der mit seiner Familie in Schlierbach lebt, sind beide Aspekte wichtig: das Soziale und die Marktwirtschaft – „die soziale Marktwirtschaft eben“. Durch seine feste Verwurzelung in der Kommunalpolitik verfüge er über langjährige Erfahrungen. „Als Vorsitzender der Gemeindevertretung einer Rettungsschirm- und Hessenkasse-Gemeinde kenne ich die Probleme der Kommunen – insbesondere auch im Hinblick auf die erst noch vor uns liegenden Folgen der Covid-19-Pandemie“, sagt er. Lutz Heer ist aktuell Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater. Zuvor war er unter anderem Geschäftsführer der Rudolf-Walther-Stiftung – heute Stiftung Kinderzukunft. Aufgrund seines bisherigen politischen Engagements wie auch durch seine berufliche Tätigkeit in den vergangenen 15 Jahren sei er in Berlin über die Grenzen der Unionsfraktion hinaus sehr gut vernetzt. „Für die Vertretung unseres Wahlkreises und der Belange unserer Mitbürger ist das ein wichtiger Punkt: Man muss einfach wissen, wen man in Berlin wie ansprechen kann, um das Beste für die Region zu erreichen. Peter Tauber hat das hervorragend verstanden. Daran würde ich gerne anknüpfen – und könnte sofort loslegen!“

Ein enger Weggefährte – um nicht zu sagen Ziehsohn – von Peter Tauber ist Johannes Wiegelmann (27). Der Salmünsterer hat 2017 sein erstes juristisches Staatsexamen abgelegt. Bereits neben dem Studium arbeitete er für Tauber und war anschließend als Leiter seines Wahlkreisbüros tätig. Aktuell widmet er sich seinem Referendariat. CDU und JU ist er 2009 beigetreten. Gleich zu Beginn seines politischen Engagements gründete er gemeinsam mit Freunden die JU Bad Soden-Salmünster. Nur wenig später wurde er 2011, gerade mal 18 Jahre alt, zum Vorsitzenden seines CDU-Stadtverbands gewählt. Seitdem ist er Stadtverordneter und seit einiger Zeit auch Ortsvorsteher in Salmünster.

„Das Bild der Verlässlichkeit und Sicherheit, das die CDU in der aktuellen Krise vermittelt, gilt es zu bewahren“, sagt Wiegelmann. „Dennoch bedarf es einer ehrlichen Betrachtung, denn neben der Krisenbewältigung harren verschiedene Schlüsselbereiche bis heute einer Lösung: notwendige Fortschritte bei der Bildung und Digitalisierung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf – gerade mit Blick auf die Pflege von Familienmitgliedern –, Tragfähigkeit unseres Sozialsystems, Lösungen im Bereich der Migrations- und Innenpolitik sowie beim Klimaschutz.“

Der Ortenberger Dirk Vogel (52) ist seit rund 20 Jahren als selbstständiger Kaufmann tätig. Seit über zehn Jahren betreibt er mit einem Partner ein gemeinsames Büro in Büdingen. 1989 trat er in die CDU ein. Seit 1995 ist Vogel Stadtverordneter in Ortenberg, seit fast 20 Jahren Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses. Im Wetterau-Kreistag ist er seit 2010 tätig, in der aktuellen Wahlperiode als sozialpolitischer Sprecher. Die Arbeit in mehreren Gremien des Sozial- und Jugendbereichs schließen sich an. „Mein umfangreicher politischer Erfahrungsschatz in vielen Politikfeldern – kombiniert mit meinem Beruf als Selbstständiger – wird mir im Bundestag sicher zugute kommen“, sagt Vogel.

Mit diesen vier Bewerbern ergibt sich bei der CDU ein spannendes Rennen. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, auch keinen chancenlosen Kandidaten. Als einzigem Bewerber aus dem Wetteraukreis – der Altkreis Büdingen gehört zum Wahlkreis 175 – dürfte Dirk Vogel die Unterstützung vieler Delegierter von dort sicher sein, während sich die übrigen drei Kandidaten aus dem Main-Kinzig-Kreis selbstredend Stimmen teilen müssen.

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