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„Hoffentlich war es kein Moslem“

Was islamistischer Terror mit Muslimen in Deutschland macht

01 Dez 2020 / 16:57 Uhr
Hanau (nic). Als am 29. Oktober die ersten Nachrichtensender berichten, dass ein zu diesem Zeitpunkt noch Unbekannter in der Basilika Notre-Dame in Nizza drei Menschen auf bestialische Art getötet hat, schaut auch Khurrem Akhtar immer wieder auf sein Handy. Bestürzt, erschrocken. Und besorgt. „Bitte, lass den Täter keinen Moslem sein“, hofft er im Stillen. Vergeblich. Bald darauf wird er in seiner Funktion als Pressebeauftragter des Islamischen Informations- und Begegnungszentrums (IIB), einer kleinen Hanauer Moscheegemeinde, eine Pressemitteilung in seinen Rechner tippen, sein aufrichtiges Bedauern über den schrecklichen Terroranschlag zum Ausdruck bringen und diese wie alle anderen islamistischen Anschläge entschieden verurteilen. Aus Überzeugung. Doch zugleich wird er sich die Frage stellen, warum er sich eigentlich von etwas distanzieren muss, mit dem er sich niemals verbunden gefühlt hat. Der islamistische Terror hat in diesem Herbst die europäische Gesellschaft erneut schwer erschüttert und trifft nicht zuletzt auch jene hart, im Namen deren Religion die Attentäter zu handeln behaupten – wie Khurrem Akhtar und Jaoid Darsane vom Vorstand des IIB. Ein Gespräch über Rechtfertigungsdruck, Verantwortung und Weihnachtsmärkte.

Erst Dresden, Paris, dann Nizza. Und Wien. Dieser Herbst ist ein düsterer. Und er weckt nicht weniger düstere Erinnerungen. An das Attentat von Paris, das sich gerade zum fünften Mal jährte. An Berlin vor beinahe vier Jahren. Und an diese Angst, einem Terror hilflos ausgeliefert zu sein, der ein simples Küchenmesser oder ein Auto zu einer tödlichen Waffe machen kann. Auch Khurrem Akhtar und Jaoid Darsane fürchten ihn – und das vor allem deshalb, weil jener Terror etwas mit der Gesellschaft macht, sie zerreißt, spaltet, Menschen gegeneinander aufbringt.

Dass sich das IIB überhaupt via Pressemeldung zu den Vorfällen geäußert hat, war zuvor intern intensiv diskutiert worden. Muss man öffentlich aussprechen, was eigentlich selbstverständlich ist: dass man barbarische Taten wie jene verurteilt? Oder darf man sich zurückziehen und sich darauf berufen, dass jene Täter die eigene Religion missbrauchen und all das mit dem Islam nichts zu tun hat? Khurrem Akhtar spricht von einer Art Zugzwang, dem er sich als gläubiger Moslem nach solchen Taten ausgesetzt sieht. „Ermüdend“ nennt er jenen immer wiederkehrenden Rechtfertigungsdruck – wohl wissend, dass den längst nicht jeder seiner Glaubensbrüder spürt, viele sich bewusst nicht rechtfertigen wollen, für etwas, für das sie keine Schuld empfinden. „Aber unserer Gemeinde geht es ja gerade um Öffentlichkeitsarbeit, um den Dialog, da müssen wir uns positionieren – gerade, weil wir sehen, dass viele einfach nicht differenzieren zwischen islamisch und islamistisch“, erklärt Jaoid Darsane die Motivation.

Mehr dazu lesen Sie am Mittwoch, 2. Dezember, in der GNZ.

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