SUCHE

Impfen ja, Impfpflicht nein

Hausarzt Dr. Tobias Bausch über Chancen im Kampf gegen Covid-19

19 Nov 2020 / 17:41 Uhr

Main-Kinzig-Kreis (kor). Impfstoffe gegen Covid-19 rücken immer näher. Impfzentren sollen gebildet werden, um eine Eindämmung der Pandemie zu gewährleisten. Darüber hinaus greift die saisonale Grippewelle um sich. Auch hier stehen derzeit Impfungen an. Wie sehen Hausärzte die Entwicklung? Was halten sie von einer Impfpflicht? Über diese, aber auch andere Fragen hat die GNZ mit dem Hausarzt Dr. Tobias Bausch aus Bad Soden-Salmünster gesprochen.

GNZ: Herr Dr. Bausch, welches Gefühl begleitete Sie, als sie von der Meldung hörten, dass ein Impfstoff gegen Corona näher rückt?

Dr. Tobias Bausch: Eine große Freude, weil wir nun hoffentlich bald in der Lage sind, die Risikogruppen, die wir schon seit vielen Wochen und Monaten durch unser Verhalten mit Abstandhalten und Maskentragen schützen wollen, auch tatsächlich schützen können, und sich auch für diejenigen im Alltag eine Erleichterung einstellen wird, die sie versorgen. Der deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie und die am Robert-Koch-Institut angesiedelte Impfkommission haben eine Priorisierung von Gruppen festgelegt, die zunächst geimpft werden sollen, da anfangs nicht alle Menschen mit dem Impfstoff versorgt werden können. Demnach profitieren zunächst die Hochrisikogruppen, dann diejenigen, die den am Covid-19 Erkrankten beistehen und dadurch selbst ein höheres Infektionsrisiko haben, und dann jene Menschen, die eine wichtige Rolle spielen, den Staat am Laufen zu halten.

Werden Sie sich selbst mit dem neuen Impfstoff impfen?

Wenn die Möglichkeit gegeben ist, selbstverständlich.

In diesem Zusammenhang wird die Frage der Impfpflicht von Bedeutung sein. Was halten Sie als behandelnder Arzt vor Ort von einer Impfpflicht?

Von einer Impfpflicht halte ich wenig, weil verpflichtende Impfungen immer die Akzeptanz desjenigen untergräbt, der sich nicht impfen lassen möchte. Ich halte eine umfassende Aufklärung und eine Überzeugung der Menschen, die Impfungen skeptisch gegenüberstehen, für viel wichtiger als eine Verpflichtung. Wenn sich die Menschen aber, wie etwa bei Masern, nicht überzeugen lassen, dass es sinnvoll ist, sich impfen zu lassen, dann kommt früher oder später in der Politik eine Impfpflicht auf die Tagesordnung, damit die Einschränkungen für die Bevölkerung möglichst gering ausfallen oder ganz fallengelassen werden können. Am Ende wird sich eine mögliche Impfpflicht an der Zahlen der Neuinfektionen festmachen. Dabei gilt sicherlich das Niveau vom Sommer. Will heißen: unter fünf Fälle pro sieben Tage bei 100.000 Einwohnern. Liegt das Niveau niedriger, gibt es keinen Grund zur Impfpflicht. Wird diese Quote mit der Impfung und möglichen Schutzmaßnahmen nicht erreicht, steht die Impfpflicht voll im Fokus.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Freitag, 20. November, in der GNZ.

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4