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Impfende Ärzte auf Hausbesuch

Pilotprojekt des Kreises läuft erfolgreich / 4 500 Impfdosen verteilt

01 Apr 2021 / 15:52 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Gut gelaunt klingelt Christiane Heister an der Tür der 90-jährigen Anna Schüler aus Gelnhausen. Im Gepäck hat sie eine Corona-Schutzimpfung. Die Hausärztin aus Gelnhausen ist an diesem Tag unterwegs, um Patienten gegen das Sars-CoV-2-Virus zu impfen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, eines der Impfzentren in Gelnhausen oder Hanau aufzusuchen. Während Anna Schüler ihren linken Arm frei macht, klärt die Ärztin letzte Fragen. Dann geht es los: „Jetzt schön lockerlassen“, sagt die Ärztin, setzt die Nadel am Oberam an, und kurz darauf klebt ein Pflaster über der Einstichstelle.

Christiane Heister ist eine von 45 Ärztinnen und Ärzten, die vom Main-Kinzig-Kreis im Rahmen eines Pilotprojekts mit 4.500 Impfdosen versorgt wurden, um diese entweder in der Praxis oder bei Hausbesuchen an Patienten zu verabreichen. Dabei stehen insbesondere Menschen im Fokus, für die der Weg ins Impfzentrum zu beschwerlich ist. Die 90-jährige Anna Schüler gehört zu diesem Personenkreis. Bis vor wenigen Monaten war sie zwar noch gut in der Lage, sich selbst um Haushalt und Garten zu kümmern. Doch seitdem sie gesundheitliche Probleme bekommen hat, ist sie auf die Unterstützung im Alltag angewiesen. Die Unterbringung in einem Pflegeheim kam für ihren Sohn Ottmar Schüler nicht in Frage; er wollte seine Mutter nach Möglichkeit in der vertrauten Umgebung behalten. Jedoch geht es nicht ohne tägliche Kontakte durch den Pflegedienst. „Die Impfung hilft uns deshalb sehr und gibt uns ein beruhigendes Gefühl“, sagt der Sohn.

„Die Freude und Erleichterung bei meinen Patienten ist groß. Sie sind dankbar, dass sie nicht vergessen worden sind“, bestätigt auch Christiane Heister, die bereits rund 50 Impfdosen gespritzt hat. Denn gerade die älteren Menschen, die zu Hause versorgt werden, spüren die Auswirkungen der Pandemie oft mit voller Härte. Die Impfungen sollen dazu beitragen, dass sie bald wieder einen normaleren Umgang mit anderen Menschen haben können.

„Wir sind sehr froh, dass wir dieses Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Arztpraxen aus dem Main-Kinzig-Kreis starten konnten“, betont die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. „Denn die frühzeitige Einbindung der Ärztinnen und Ärzte gehört zu einem ausgewogenen Impfkonzept und wird dazu beitragen, dass wir mehr Schutzimpfungen vornehmen können, sobald die Impfstoffmengen steigen, weil wir dann bereits bewährte Strukturen geschaffen haben. Neben den Impfungen in den beiden Impfzentren und durch die mobilen Teams in den stationären Einrichtungen konnten die ersten Ärzte seit Mitte März nach eigenem Ermessen innerhalb der aktuell priorisierten Personengruppen impfen. Und dazu gehören auch die Menschen, die zu Hause versorgt werden.“ Nachdem das Land Hessen dem Main-Kinzig-Kreis die Liste derjenigen Menschen übermittelt hat, die sich für eine Impfung im häuslichen Umfeld angemeldet hatten, werde nun geprüft, wer aus diesem Personenkreis von rund 4.000 Menschen bereits geimpft wurde und wo noch Interesse besteht. „Rund die Hälfte derjenigen, die sich für eine häusliche Impfung gemeldet hatten, sind bereits geimpft. Jetzt arbeiten wir daran, allen übrigen Impfberechtigten aus dieser Gruppe schnellstmöglich ein Impfangebot zu machen“, so die Gesundheitsdezernentin. „Dabei spielen unsere niedergelassenen Ärzte eine wichtige Rolle, schließlich kennen sie ihre Patienten am besten und wissen, wo die Schutzimpfung am dringendsten gebraucht wird.“ Die Aktion, frühzeitig die hausärztlichen Praxen einzubinden, sei ein voller Erfolg und werde in der Zeit nach Ostern ausgeweitet, da dann allen Hausarztpraxen die Möglichkeit offensteht, sich an den Schutzimpfungen gegen das Coronavirus zu beteiligen. „Die Zahl der teilnehmenden Hausarztpraxen wird weiter steigen, und wir werden dadurch mehr Impfstoff auch in der Fläche verteilen können“, sagt Simmler. Das gelte auch angesichts der neuerlichen Vorsichtsmaßnahme, den Astrazeneca-Impfstoff vor allem Menschen über 60 Jahren anzubieten. „Der Impfstoff selbst ist trotz der Empfehlung der Ständigen Impfkommission weiterhin in Deutschland für Menschen ab 18 Jahren zugelassen. Wenn Menschen unter 60 Jahren über die möglichen Risiken aufgeklärt werden, kann Astrazeneca deshalb auch weiterhin an diese Personen verimpft werden, sofern sie dies möchten“, erklärt Dr. Wolfang Lenz, Leiter der Impfaktion im Main-Kinzig-Kreis.

Die von den Ärzten in den Praxen und bei Hausbesuchen verabreichten 4.500 Impfdosen sind noch nicht in Gänze in die Impfstatistik eingeflossen. „Fest steht: Im Main-Kinzig-Kreis werden alle Impfberechtigten weiterhin so schnell es geht gegen das Sars-CoV-2-Virus immunisiert, die Arztpraxen leisten hierbei einen wichtigen Beitrag“, betont die Gesundheitsdezernentin. Deshalb haben die Impfzentren auch über Ostern geöffnet. In einem weiteren Schritt werden Betriebsärzte insbesondere von größeren Unternehmen eingebunden, die ebenfalls bei den Impfungen unterstützen wollen.

Das Kreisgesundheitsamt hat für Mittwoch 142 bestätigte Neuinfektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus und zwei Todesfälle aus Bruchköbel und Linsengericht gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Main-Kinzig-Kreis steigt auf 173, der hessenweite sinkt auf 138.

Im Zusammenhang mit Covid-19 sind 527 Menschen aus dem Kreisgebiet gestorben. Knapp 40.800 Menschen haben eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten (Impfquote: 9,7 Prozent). In den Krankenhäusern werden im Zusammenhang mit Covid-19 insgesamt 71 Patienten medizinisch versorgt. Intensivmedizinische Betreuung benötigen 16 Menschen, ein Beatmungs- gerät sechs Patienten.

Das Gesundheitsamt hat außerdem vier Corona-Fälle an Schulen registriert. Betroffen sind in Hanau die Erich-Kästner-Schule und die Elisabeth-Schmitz-Schule, in Bruchköbel die Heinrich-Böll-Schule und in Altenmittlau die Grundschule.

Die von den Neuinfektionen Betroffenen wohnen in Hanau (36), Freigericht (19), Maintal (13), Bad Soden-Salmünster (11), Schlüchtern (6), Bruchköbel (6), Gelnhausen (5), Neuberg (5), Gründau (5), Schöneck (4), Rodenbach (4), Hammersbach (3), Nidderau (3), Großkrotzenburg (3), Erlensee (3), Steinau (3), Langenselbold (3), Sinntal (2), Bad Orb, Birstein, Flörsbachtal, Hasselroth und Wächtersbach.

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