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Impflokale lösen Impfzentren ab

Kreis setzt bei Pandemiebekämpfung auf lokale Angebote

22 Sep 2021 / 10:37 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (tmb). Das Ende der Corona-Impfzentren ist in Sicht: Zum 30. September schließen die beiden Einrichtungen in Gelnhausen und Hanau, die Großsporthalle und die August-Schärttner-Halle werden nach den Herbstferien wieder dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Mit dem Impfen geht es im Kreis trotzdem weiter, wie die Verantwortlichen gestern in einer Pressekonferenz mitteilten.

Es sind beachtliche Zahlen, die die Impfzentren vorweisen: 294.000 Impfdosen wurden bis vergangene Woche in den Impfzentren und von den mobilen Teams verabreicht. 892 Männer und Frauen haben in den vergangenen Monaten dort gearbeitet, ohne die eingesetzten Truppen der Bundeswehr mit einzurechnen. 525 Kräfte aus 29 Rathäusern des Kreises halfen in den Impfzentren mit, auch an Wochenenden, Feiertagen und nach ihrem eigentlichen Feierabend. Die Pressekonferenz nahmen die Verantwortlichen deswegen zum Anlass, sich bei den vielen engagierten Hilfskräften zu bedanken. „Sie haben aus unserer Sicht einen ganz tollen Job geleistet“, sagte Landrat Thorsten Stolz. „Die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft hinsichtlich Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Beratung waren sensationell.“ Auch Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler hob diese Gemeinschaftsleistung hervor. Die Erste Beigeordnete betonte zudem, dass sie es auch rückblickend für den richtigen Schritt halte, dass der Kreis die kommunale Verantwortung für die Impfzentren selbst wahrnehmen wollte. So sei es denn folgerichtig, da dieser Auftrag des Landes abgelaufen sei, sich auch weiter zu kümmern. Das hessische Sozialministerium gab grünes Licht, damit die Impfkampagne bis April 2022 fortgesetzt werden kann – wenn auch in einem anderen Rahmen. Die großen Impfzentren werden nicht mehr gebraucht, obwohl auch gestern noch Menschen in der Großsporthalle saßen und darauf warteten, ihre Spritze zu bekommen. „Deswegen lassen wir das Impfzentrum auch bis zum letzten Tag geöffnet“, meinte Stolz. „Jede Impfung, die wir hier noch verabreichen können, ist ein Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.“ Stolz bedauerte, dass sich nicht so viele Menschen bislang impfen ließen, wie man sich erhofft habe. Dabei sei die Impfung der einzige Weg aus der Corona-Pandemie hinaus. „Heute liegen auf den Intensivstationen des Main-Kinzig-Kreises fünf Patienten, die zum Teil sogar beatmet werden müssen. Alle fünf haben keine Schutzimpfung. Jeder Corona-Patient, den wir durch die Impfung verhindern, ist eine Entlastung für unser Pflegepersonal.“

Auch das sei ein Grund, die Kampagne fortzuführen. Ab dem 5. Oktober öffnet in Hanau am Kanaltorplatz das erste Impflokal, in dem sich Menschen fünf Tage in der Woche beraten und impfen lassen können. Weitere Impflokale in Gelnhausen und Schlüchtern sollen folgen, erklärte Dr. Silke Hoffmann-Bär, bislang Leiterin des Impfzentrums Hanau. Sie wird die Leitung aller Impflokale im Kreis übernehmen.

Diese lokalen Impfangebote sollen einerseits Menschen ansprechen, die bislang noch keine Gelegenheit hatten, sich impfen zu lassen, andererseits sollen sie als Lager und Basis für die mobilen Impfteams dienen. Denn dass diese erfolgreich arbeiten, habe sich bei den Einsätzen der vergangenen Wochen gezeigt. „Da liegt ein großes Potenzial: Der große Anteil von denjenigen, die bis jetzt noch nicht geimpft sind, sind diejenigen, die noch nicht näher darüber nachgedacht haben und denen es an der Gelegenheit fehlte – nicht die Skeptiker und die rigorosen Impfgegner“, berichtet Dr. Wolfgang Lenz, Leiter der Impfkampagne und des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr.

Zwar sollen die mobilen Teams auch an Schulen tätig werden oder bei Vereinen oder anderen Gelegenheiten hinzugezogen werden. Der Schwerpunkt, so Hanaus Bürgermeister Axel Weiß-Thiel, liege jedoch weiterhin bei den Unentschlossenen und an den Standorten, „wo wir wissen, die Leute sind noch nicht geimpft, können aber dazu motiviert werden“. Oft treffe man auf Vorurteile und mangelnde Information. Hier könne man ansetzen, um aus der aktuellen Situation herauszukommen, sagte Simmler. „Jeder Pieks zählt.“

Aufklärung ist also weiter das Gebot der Stunde. Immerhin kam es bei den 148.000 Impfdosen, die das Hanauer Impfzentrum bis Mitte September verabreichte, nur bei rund 100 Personen vor Ort zu Impfreaktionen wie zu niedrigem Blutdruck und Schwindel.

67 Prozent der in beiden Impfzentren verabreichten Impfdosen stammten von Biontech, 16 Prozent je von Moderna und Astra Zeneca und ein Prozent von Johnson & Johnson. „Wenn es jemandem angenehmer ist, sich nur ein Mal impfen zu lassen: In den Impfzentren stehen noch bis zum 30. September Johnson & Johnson-Impfdosen zur Verfügung“, sagte Professor Dr. Dirk Maybauer, Leiter des Gelnhäuser Impfzentrums.

Wenn ein Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige zugänglich wird, solle auch dieser in den Impflokalen und von den mobilen Teams angeboten werden, sagte Schuldezernent Winfried Ottmann.

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