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„Impfzentren öffnen!“

Appell der Kreisspitze an die Landesregierung

08 Jan 2021 / 15:04 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). „Wir halten die Entscheidung, nur sechs regionale Impfzentren zu öffnen – und nicht wie von allen 21 hessischen Landkreisen übereinstimmend vorgeschlagen auch die weiteren Impfzentren in Hessen – für den falschen Weg. Wir sind startklar und können auch mit kleineren Impfmengen in unseren Impfzentren in Hanau und Gelnhausen damit beginnen, die mobilen über 80-Jährigen im Sinne kurzer Wege im Main-Kinzig-Kreis zu impfen.“ Mit diesen Worten reagiert die Kreisspitze um Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann sowie Hanaus OB Claus Kaminsky und der Vorsitzende der Bürgermeisterkreisversammlung, Stefan Erb, auf die Entscheidung des Landes Hessen, es bei zunächst sechs regionalen Impfzentren zu belassen.

Gemeinsam mit den anderen 20 hessischen Landkreisen hatte der Main-Kinzig-Kreis über den Hessischen Landkreistag vorgeschlagen, alle Impfzentren zeitgleich an den Start zu bringen. Jetzt hat das Land entschieden, diesem Vorschlag nicht zu folgen.

„Wir sind uns bewusst, dass geringere Mengen als notwendig an Impfstoff zur Verfügung stehen. Aber das ist kein Problem, sondern ermöglicht es uns, den Betrieb in unseren Impfzentrenten Schritt für Schritt hochzufahren und vor allem für die Bürger die Wege zur Impfung sehr deutlich zu verkürzen“, so Stolz, Simmler und Ottmann. „Wir hätten uns gewünscht, dass das Land diesem konstruktiven Vorschlag der kommunalen Basis folgt, denn die Infrastruktur steht, das Personal ist motiviert und abrufbereit.“

Im Main-Kinzig-Kreis haben mobile Teams in den vergangenen Tagen die ersten Chargen des Corona-Impfstoffs verimpft. Nun wird allseits auf die nächste Lieferung durch das Land Hessen gewartet. Wenn es nach dem Willen der Kreisspitze und der regional Verantwortlichen geht, sollen schnellstmöglich auch die Impfzentren in Hanau und Gelnhausen öffnen, um Interessierten kurze Wege zu ermöglichen, gerade vor dem Hintergrund, dass die nächsten Lieferungen dem Vernehmen nach größer ausfallen.

„Im Main-Kinzig-Kreis sind bis in diese Woche hinein 2 863 Menschen mit Impfdosen versorgt worden, zunächst in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern“, berichtet Gesundheitsdezernentin Simmler. „Aber natürlich fallen weitaus mehr Menschen unter die höchste Prioritätsstufe, die jetzt schon einen Anspruch auf eine Impfung haben und ihn zurecht anmelden. Deshalb braucht es mehr Impfstationen in der Fläche, und zwar früher als geplant, wenn nun doch zumindest etwas größere Mengen an Impfstoff verfügbar sein werden.“

Landrat Stolz richtet einen klaren Appell in Richtung Wiesbaden: „Das Land Hessen muss Vertrauen in die kommunale Ebene zeigen. Wir können innerhalb kürzester Zeit unsere Impfzentren hochfahren, das Personal ist verfügbar, seit Mitte Dezember stehen wir bereit. Wir können allen Bürgern den weiten Anfahrtsweg bis nach Frankfurt ersparen. Wenn wir unseren Impfstoffanteil dezentral im Kreisgebiet verimpfen, wird die Impfaktion schneller an Fahrt aufnehmen, mehr Menschen erreichen und somit erfolgreicher.“ Unterstützung erhält der Kreis unter anderem von Kaminsky und Erb. Beide werben in ihren Städten für die Impfung. Allerdings berichten sie von Beschwerden aus der Bevölkerung, dass gerade die über 80-Jährigen nun weite Wege auf sich nehmen müssen. „Wenn mich ältere Menschen aus Hanau verzweifelt fragen, ob sie denn nicht in ihrer eigenen Stadt, in einer professionell aufgestellten Impfstation den helfenden Piks erhalten können und warum sie dafür nach Frankfurt fahren müssen, bei allen Wehwehchen und Gebrechen, die das Alter mit sich bringt, dann muss ich ehrlicherweise sagen: Da habe auch ich keine Erklärung und vor allem kein Verständnis“, so Kaminsky. „Lasst uns anfangen in Hanau und Gelnhausen. Worauf wollen wir noch warten, wenn der Impfstoff dann da ist?“

Stefan Erb kennt ähnliche Fragen. Seine Bürgermeisterkollegen aus allen Teilen des Kreises sind mit derlei Anfragen beschäftigt: „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir im einwohnerstärksten Landkreis mit sehr großer Fläche leben. Alle Bürger müssen, Stand jetzt, ab dem 19. Januar nach Frankfurt, um sich impfen zu lassen, wenn sie dazu berechtigt sind, also auch alle Senioren aus Steinau, Sinntal oder Jossgrund.“ Das seien Fahrtstrecken weit über 80 Kilometer. „Das ließe sich schon halbieren, wenn das Impfzentrum in Gelnhausen aufmachen würde. Für den Westkreis gilt das Gleiche. Die einzig sinnvolle Lösung kann daher nur lauten: Beide Impfzentren machen auf. Wenn der Impfstoff noch nicht zum Volllast-Betrieb reicht, dann eben in einem begrenzten zeitlichen Rahmen.“

Aus allen anderen Landkreisen höre er ebenfalls Unmut, warum die dezentralen Impfzentren nicht schon früher hochgefahren würden, so Landrat Stolz. Diese Meinungen haben die Kreise der Landesregierung gegenüber kundgetan, zuletzt am Donnerstag. Das Land Hessen sei bei seinem Standpunkt geblieben, bis auf Weiteres nur sechs Impfzentren zu öffnen – und für den Main-Kinzig-Kreis ist damit Frankfurt der Anlaufpunkt.

„Vor Ort fordern die Menschen von Bürgermeistern und Landräten die Klärung aller offenen Fragen rund um die Impfaktion, eine bessere Informationspolitik, wer wann dran ist, und eine unkomplizierte Impfung von so vielen Senioren wie möglich. Die Entscheidungen darüber trifft aber die Landesregierung“, sagt Simmler. „Da passt einiges nicht zusammen.“ Die Impfaktion sei „zu ernst und existenziell wichtig, um daraus ein Kommunalwahlthema zu machen“. Genau das werde derzeit aber von unterschiedlichsten Parteien und Wählergruppierungen versucht – auf Kreisebene wie auch in den Städten und Gemeinden –, um gegen die dort Verantwortung Tragenden Vorwürfe zu konstruieren.

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