SUCHE

Jede fünfte Infektion eine Mutation

Veränderte Viren auf dem Vormarsch / Ab Montag mehr Schnelltests

19 Feb 2021 / 14:52 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises hat für Donnerstag 73 laborbestätigte Neuinfektionen mit dem SarsCoV-2-Virus und vier weitere Todesfälle gemeldet. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert steigt leicht von 83 am Vortag auf jetzt 89. Die Verstorbenen wohnten in Hanau (3) und Schlüchtern. Das Robert-Koch-Institut hat in diesen Tagen den Anteil der Mutationen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 auf etwa 22 Prozent beziffert. Diese Entwicklung wird besonders aufmerksam verfolgt, weil die veränderten Viren nach derzeitigem Kenntnisstand eine höhere Reproduktionszahl aufweisen. Sie sind also noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die bisher zirkulierenden Varianten.

Weil ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen ist, ist es aus Sicht der Fachleute umso wichtiger, dass die Teststrategie sich ständig anpasst und sich die Bürger weiterhin an die allgemeinen Hygieneregeln halten. Der dringende Apell der WHO lautet „testen, testen, testen“. Daran orientieren sich der Kreis und sein Gesundheitsamt. Auch die Ergebnisse der Sequenzierungen – also des genauen Untersuchens der Virusvarianten – werden im Gesundheitsamt sehr genau analysiert. Die Informationen des Robert-Koch-Institutes zu den Virusmutationen decken sich mit den Beobachtungen im Main-Kinzig-Kreis, wo bisher ein Anteil der Mutationen von etwa 18 Prozent (64 von 351 Fällen) bestätigt wurde. In der Vorwoche lag der Anteil noch bei 8 Prozent (27 von 320 Fällen). Auch in der Altenpflegeinrichtung in Rodenbach gibt es mehrere Verdachtsfälle auf die britische Virusvariante. Hier liegen jedoch die Ergebnisse der Gensequenzierung noch nicht vor. Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass die strengen Quarantäne-Auflagen für Infizierte ohne Unterschied gelten, ganz gleich, mit welcher Virusvariante sich jemand angesteckt hat. Was das Umfeld der Infizierten angeht, hat das Amt seine Teststrategie in den vergangenen Wochen angepasst und untersucht im Wesentlichen den weiteren persönlichen Umkreis nach möglichen Ansteckungen. Das bedeutet etwa für Alten- und Pflegeheime, aber auch für Kitas und Schulen, dass nicht nur Kontaktpersonen ersten Grades einen Test vermittelt bekommen, sondern auch jene zweiten Grades. Der Kreis wird zudem das Angebot an Schnelltests deutlich ausweiten, um insbesondere für Bildungs- und Betreuungseinrichtungen einen stärkeren Schutz und eine schnellere Aufklärung zu ermöglichen. Ab kommender Woche werden die drei Teststationen montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie am Wochenende jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet haben. Ab Montag, 1. März, werden Schnelltests dann zu den gleichen Zeiten sogar an sechs Stationen im Kreis möglich sein. Zusammen mit dem Umfang der Testungen wird auch der Personenkreis erweitert, der sich einem Test unterziehen kann. Ab Montag gehen die Schulen in Wechselunterricht über, gleichzeitig sind Kitas wieder in größerem Umfang geöffnet, und an das jeweilige Personal richten sich ab Montag die zusätzlichen Angebote vor allem.

Die drei Teststationen befinden sich in Hanau in der Main-Kinzig-Halle, in Gelnhausen in Räumen der Bildungspartner Main-Kinzig (Frankfurter Straße 30b) und in Schlüchtern im 1. Stock eines Nebengebäudess der Main-Kinzig-Kliniken, in dem sich auch die Ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale befindet. Neu hinzu kommen ab 1. März die drei Testzentren in Bruchköbel in der Mehrzweckhalle Oberissigheim, im Langenselbolder DRK-Familienzentrum (Am Bürgerplatz), sowie in der Heinrich-Heldmann-Halle in Wächtersbach.

Für die Tests bedarf es keiner Anmeldung. Mitzubringen sind ein gültiger Lichtbildausweis und ein Formular, mit dem die zu Testenden nachweisen, dass sie eine Berechtigung für einen kostenlosen Schnelltest haben. Das ist bei Angehörigen von Menschen in Senioren- und Pflegeeinrichtungen die Berechtigung für einen Besuch (stellt die Einrichtung aus). Bei Lehrern (Staatliches Schulamt/Schule), Erziehern und Tagespflegepersonen (Kommune/Kita) stellen die jeweiligen Arbeitgeber die Bescheinigung aus. Nur in besonderen Ausnahmefällen können die Formulare in den Schnelltestzentren ausgegeben werden.

Nachdem drei Coronavirus-Fälle nachträglich in die Statistik aufgenommen worden sind, liegt die Gesamtzahl der Personen aus dem Main-Kinzig-Kreis, die sich seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben, bei 14.383 Personen. Als infektiös eingestuft werden 690 Menschen, 13.693 haben die akute Virusinfektion überstanden. Im Zusammenhang mit Covid-19 sind bislang 443 Menschen mit Wohnort im Kreisgebiet gestorben. In den heimischen Krankenhäusern werden im Zusammenhang mit Covid-19 insgesamt 77 Patienten medizinisch versorgt, darunter 66 Menschen, die im Main-Kinzig-Kreis wohnen. Auf der Intensivstation liegen 16 Patienten, sechs sind auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Das Gesundheitsamt hat unterdessen einen Coronavirus-Fall registriert, von dem die Philipp-Reis-Schule in Gelnhausen betroffen ist.

Die von den 73 Neuinfektionen betroffenen Personen wohnen in Hanau (20), Maintal (9), Rodenbach (8), Bruchköbel (7), Bad Soden-Salmünster (3), Erlensee (3), Gelnhausen (3), Schlüchtern (3), Jossgrund (2), Großkrotzenburg (2), Gründau (2), Steinau (2), Brachttal (2), Linsengericht (2), Hammersbach, Langenselbold, Ronneburg und Schöneck. Ein Fall wurde noch nicht zugeordnet.

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4