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Jetzt zählt nur Eigenverantwortung

Kreis kann nicht mehr intensiv beraten / Bevölkerung muss mitwirken

24 nov 2021 / 16:36 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). „Die Pandemie bewältigt nicht ein Amt oder ein Ministerium alleine, das kann nur über das Zusammenspiel aller Institutionen und mit einem hohen Maß an Selbstverantwortung der Bürgerschaft gelingen“, sagt Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler. „Schon seit Beginn der Pandemie gilt es, Verantwortung für sich und das Gegenüber zu übernehmen. Wir alle sind seit nunmehr knapp 22 Monaten wieder an dem Punkt, an dem wir alle eigenständig und sensibel schauen sollten, wie man den Kontakt zu anderen Menschen im Privatbereich sicher gestaltet, etwa durch Abstand, Maske, gutes Lüften oder die Kombination all dessen.“ Zu prüfen sei auch, welche Kontakte derzeit zwingend notwendig seien. „Bei Erkältungssymptomen ist zum Schutz aller auf Nummer sicher zu gehen und vor einer Abklärung zum Beispiel durch einen Selbst- oder Bürgertest möglichst keine Veranstaltungen zu besuchen oder Kontakte zu haben.“

Die Gesundheitsdezernentin bezieht sich auf die teilweise immens hohen Zahlen an Kontaktpersonen und von Infizierten. „Schon jetzt ist es für das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr großteils nicht mehr möglich, jeden labortechnisch nachgewiesenen Fall gesondert zu informieren oder intensiv zu beraten. Dazu ist das Fallaufkommen von rund 1.200 Neuinfektionen in der Woche, bei deutlich steigender Tendenz, schlichtweg zu hoch.“

Die bundesweite Strategie sei nicht mehr, wie vor einem Jahr, das „Containment“, also die Unterbrechung der Ketten, zu versuchen. Der Schwerpunkt liege auf „Protection“, dem Schutz von besonders sensiblen Institutionen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen und Kindergärten. „Der Fokus liegt im Besonderen auf älteren Menschen, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben, ebenso Menschen mit Vorerkrankungen. Diese Fälle versuchen die Kollegen sehr schnell und unkompliziert zu klären“, so die Dezernentin.

Standardisiert erfolge kein Anruf des Gesundheitsamtes bei allen Kontaktpersonen mehr. Auch ausführliche Gespräche und Beratungen seien nicht mehr möglich, wenn man vom Labor einen Positivbefund gemeldet bekomme. „Die Labormeldung geht auch an uns als Landkreis und zuständige Behörde. Wir können alleine schon aufgrund von Merkmalen wie Alter bestimmte Rückschlüsse ziehen und sofort unsere Maßnahmen gemeinsam mit beispielsweise Schulen starten. Wir konzentrieren unsere Kräfte auf diese besonders schützenswerten Bereiche“, so Simmler.

Seit einigen Tagen sind die Mitarbeiter des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr im Sachgebiet Hygiene mit Hilfe von personeller Unterstützung aus anderen Teilen der Verwaltung zu einem Drei-Schicht-System zurückgekehrt, wodurch individuelle Meldungen schneller bearbeitet werden können. Auch die Bundeswehr wurde erneut um ein erhöhtes Kontingent zur Unterstützung gebeten. Das seien „alles Maßnahmen, die helfen können. Aber um es deutlich zu sagen: Wir sind auf die Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen angewiesen, dass wir bestimmte und leicht beherrschbare Grundregeln voraussetzen dürfen. Als wir im vergangenen Jahr ähnlich hohe Zahlen hatten, gab es umfassende Einschränkungen, die die Kontaktdichte reduziert und die Coronawelle gebrochen haben. Das ist nun anders. Aber jeder muss jetzt auch wissen, was zu tun ist, wenn er sich grippig und unwohl fühlt, und für jeden haben wir auch diese Informationen leicht zugänglich parat.“ Zuvorderst sei das tagesaktuelle „CoroNetz“ zu nennen, mit Hinweisen und Kontaktmöglichkeiten für Bürger im Main-Kinzig-Kreis. Dieses Angebot ist auf der Internetseite des Kreises unter www.mkk.de auf der Startseite zu finden. Der Kreis erinnert daran, was die wesentlichen Schritte nach der Übermittlung eines positiven PCR-Testergebnisses sind: umgehend häuslich isolieren, Kontaktpersonen der vergangenen Tage auflisten und selbst informieren, Kontaktpersonen und weitere Details zum Fall gebündelt dem Main-Kinzig-Kreis melden, und zwar am einfachsten über das entsprechendes Formular im „CoroNetz“ (www.mkk.de unter „CoroNetz“/„Corona-Tests“).

„Wer die App ‚Daicy‘ nutzt und Kontaktpersonen festhält, für den ist es am Ende ein Leichtes, Freunde und Verwandte zu informieren, dem Gesundheitsamt die relevanten Kontaktpersonen zu nennen und insgesamt eine Weiterverbreitung ein gutes Stück zu verhindern“, sagt Simmler. Schwer sei aber grundsätzlich, unabhängig von anderen äußeren Umständen, das Unterbrechen von Infektionsketten, wenn der Infizierte weitgehend ungeschützt in Kontakt zu vielen anderen Mitmenschen getreten sei. Das sei in der jüngeren Generation gut zu beobachten, die sehr mobil sei und täglich viele Kontakte pflege. Dort liege der Inzidenzwert alterssortiert derzeit bei über 400.

Ebenfalls auf der Internetseite des Kreises zu finden sind Handlungsanweisungen im Falle eines positiven Testergebnisses oder bei Kontakt zu einer infizierten Person. Eine Reihe von zusätzlichen Serviceleistungen, die der Kreis Betroffenen noch bis vor Kurzem zur Verfügung gestellt hat – etwa das beratende Einzelgespräch oder die gesonderte schriftliche Information über das, was nach einem Positivbefund zu tun ist – sind jedoch fürs Erste ausgesetzt.

„Die meisten Dinge des privaten und des Freizeitbereichs sind erlaubt, zugänglich und möglich, zumindest ohne große Einschränkungen für Geimpfte und Genesene. Das heißt aus all den Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate, dass sich das Virus durch die vielen Kontakte weiter in starkem Umfang und sehr leicht verbreiten wird“, schätzt Simmler.

Die Sieben-Tage-Inzidenz – heute mit 311 angegeben – werde in den kommenden Tagen weiter steigen, das zeigten verschiedene Berechnungsmodelle. Dahinter stünden jeweils wesentlich mehr Fälle als in den Tagen zuvor. Diese Entwicklung zu stoppen sei nur mit viel Zutun der Bevölkerung möglich.

„Mein Appell lautet: Lassen Sie sich impfen, die Kapazitäten werden gerade allerorts ausgebaut“, so die Gesundheitsdezernentin. „Denn eine Impfung schützt mittelfristig uns alle am besten. Und darüber hinaus: Schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen auch im Privatbereich, wo es geht, nach den gelernten Konzepten und Regeln. Impfen, Testen, Kontakte vermeiden und Hygieneregeln: Das wird uns über diesen Winter sehr eng begleiten.“

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