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Kurz vor dem Trinkwassernotstand

„Wasser sparen ist Gebot der Stunde“: Kreis und Kommunen appellieren an Bürger

29. Juli 2022 / 15:53 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Wasser einzusparen ist angesichts der anhaltenden Trockenheit das Gebot der Stunde. Deshalb appellieren der Landkreis sowie die Städte und Gemeinden an die Bevölkerung, verantwortungsbewusst mit dem wertvollen Gut Wasser umzugehen und den eigenen Verbrauch kritisch zu hinterfragen und auch einzuschränken. Die Pegelstände an Bächen und Flüssen im Main-Kinzig-Kreis und auch in Trinkwasserbrunnen seien aufgrund der anhaltenden Trockenheit immer weiter gesunken, auch weil in den zurückliegenden Wochen und Monaten zu wenig Regen gefallen ist. Die Folge: ausgedorrte Flächen und ein sehr hohes Risiko für Flächen- und Waldbrände.

Die Wasserbehörde des Main-Kinzig-Kreises hatte bereits Mitte Juni das Jedermannsrecht, den sogenannten Gemeingebrauch, zur Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern im Wesentlichen aufgehoben. „In den Brunnen der öffentlichen Wasserversorgung sind die Wasserstände in den vergangenen Wochen noch einmal stark gefallen – und das auf sowieso schon sehr niedrigem Niveau“, berichtet Susanne Simmler. So zum Beispiel Marköbel II um 3,60 Meter oder im Brunnen Niedermittlau um 2,60 Meter. Damit bekämen die Hochbehälter, in denen das Trinkwasser vor der Abgabe ins Netz gespeichert werde, ein quantitatives Problem. „Zu dem Fakt, dass der Verbrauch steigt, kommt noch hinzu, dass weniger Wasser aus den Brunnen nachgeliefert werden kann. Es ist also in unser aller Interesse, wenn wir angesichts der derzeitigen Trockenheit sehr sorgsam mit Wasser umgehen. Egal, ob es aus der Leitung oder aus dem Bach kommt“, erklärt Susanne Simmler.

Simmler und Erb warnen: Situation ist besorgniserregend

Gerade wenn im Winter wenig Regen oder Schnee fällt, könnten sich die Grundwasserstände nicht ausreichend regenerieren, was das Problem langfristig verschärfe. „Wir alle sind gefordert, unseren Teil beizutragen, damit wir nicht gezwungen sind, den Trinkwassernotstand auszurufen“, verdeutlicht Susanne Simmler den Ernst der Lage.

Auch Bürgermeister Stefan Erb (Erlensee), Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung, macht auf die besorgniserregende Situation im Main-Kinzig-Kreis aufmerksam und appelliert an die Menschen in den 29 Kommunen: „Wasser zu sparen, ist aufgrund der derzeitigen Wetterlage dringend angeraten. Ich möchte alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufrufen, im Kleinen und im Großen, den Wasserhahn nicht sorglos aufzudrehen.“ Auch seine Kollegen in den Rathäusern seien gefordert, in den Kommunen Einsparpotenziale zu ermitteln und umzusetzen und zusammen mit den Menschen im Main-Kinzig-Kreis dazu beizutragen, dass die Versorgungssicherheit auch in der Region gewährleistet bleibt. Erste Schritte hierzu seien bereits in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe erarbeitet worden.

Unter fachlicher Begleitung der Abteilung Wasser- und Bodenschutz des Main-Kinzig-Kreises und eines Rechtsanwaltes des Hessischen Städte- und Gemeindebundes sei ein Muster für eine Gefahrenabwehrverordnung zum Trinkwasserschutz erarbeitet worden. Diese ermögliche es den Kommunen, bei sinkenden Grundwasserständen beziehungsweise Füllständen in den Hochbehältern Einschränkungen zum Verbrauch des Trinkwassers zu erlassen. Dies könne zum Beispiel das Verbot der Bewässerung von Rasen und Zierpflanzen oder das Befüllen von privaten Swimmingpools sein. Es sei nun an den Kommunen, die entsprechenden Verordnungen zügig in die Gremien einzubringen und zu verabschieden. Begleitend dazu könnte eine „Wasserampel“ unterstützen, um den Bürgern jederzeit transparent sichtbar zu machen, wie es aktuell um die Wasserversorgung in ihrer Kommune bestellt sei.

„Auch und gerade in Hof und Garten stecken enorm viel Einsparpotenzial, wenn diese Bereiche einmal gründlich durchdacht werden“, erklärt Erb. Das fange schon bei der Gestaltung von Gärten und Freiflächen an. „Mittelfristig sollten Gartenbesitzer über eine hitzeresistentere Bepflanzung nachdenken, auch eine Beschattung durch Büsche oder Bäume kann Abhilfe schaffen. Für Wildblumenwiesen ist eine Bewässerung völlig unnötig und sie bieten darüber hinaus Insekten einen wertvollen Lebensraum“, erläutert Katrin Hess, Leiterin des Amtes für Umwelt, Naturschutz und ländlichen Raum.

Tipps zum Wassersparen im privaten Bereich

Viel Wasser könne im privaten Bereich problemlos durch die folgenden Tipps der Unteren Wasserbehörde eingespart werden: In Hitzezeiten sollte lieber geduscht als gebadet werden, wobei die Duschzeit kurz sein sollte. Wassersparende Armaturen und Spülkästen könnten eingebaut werden, zudem sei beim Spülen die Spar- oder Stop-Taste zu nutzen. Beim Zähneputzen oder Einseifen solle der Wasserhahn abgedreht, tropfende Wasserhähne repariert werden. Wasch- und Spülmaschinen sollten nur vollgefüllt laufen lassen. Grünflächen sollten möglichst selten gemäht werden, dreimal im Jahr genügte bereits. Denn: Grünflächen, die selten gemäht werden, seien viel resistenter gegen Hitze. Hochgewachsenes Gras kann Feuchtigkeit viel besser speichern und der Boden trocknet nicht so schnell aus.

Zudem sollte derzeit ganz auf die Bewässerung von Rasen und Zierpflanzen oder das Abspritzen von Hof- und Gehwegflächen mit Trinkwasser verzichtet werden. Hierfür sei es sinnvoll, Regenwasser in Tonnen und Zisternen zu sammeln, sofern die Möglichkeit dazu besteht. Auch auf private Swimmingpools solle ganz verzichtet werden. Schottergärten seien für anhaltend heiße Sommer nicht geeignet, da sie sich auf bis zu 60 Grad aufheizen können. Auch in der Küche könne einiges an Wasser beim Gemüse- und Obstwaschen aufgefangen werden. Zimmerpflanzen könnten bei Regen nach draußen gestellt werden.

Hintergrund

Der entscheidende Grund für die angespannte Lage sei recht leicht auszumachen: Es regnet in letzter Zeit zu wenig und zu selten. Im Main-Kinzig-Kreis lagen die Mai-Niederschläge in den meisten Gebieten bis zu 60 Prozent unter dem langjährigen Mittel – das sind deutliche Warnzeichen. Als langjähriges Mittel wwerde der Zeitraum der letzten 30 Jahre bezeichnet. Der Hitzesommer 2003 und die Trockenjahre 2018 bis 2020 fallen also in diesen Zeitraum und drücken damit den statistischen Durchschnitt bei den Niederschlägen, was die aktuellen Werte umso gravierender mache. Dem Mai folgte ein zu trockener Juni (37 Prozent weniger Niederschlag landesweit) und der Juli lasse keine besseren Werte erwarten. Schon die Auswertung der Juni-Daten ergab, dass sich fast 30 Prozent der hessischen Grundwasserpegel auf sehr niedrigem Niveau befanden.

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