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Menschlichkeit im Digitalen bewahren

Julian Nida-Rümelin beim Jahresempfang des Behinderten-Werks

16 Jan 2020 / 16:50 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (jus). Was macht das Menschsein aus? Und wie wollen wir selbst damit umgehen? Zwei Fragen, die Professor Dr. Julian Nida-Rümelin beim Neujahrsempfang des Behinderten-Werks Main-Kinzig am Mittwochabend im Hanauer Brockenhaus stellte. Unter dem Titel „Digitaler Humanismus – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ ging er auf Herausforderungen der modernen Medien ein und wie wichtig es ist, trotz allen technologischen Fortschritts die Menschlichkeit nicht zu verlieren.

Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft waren der Einladung zum Empfang gefolgt. Der Saal des Brockenhauses war voll besetzt. 2019 war für das Behinderten-Werk ein ereignisreiches Jahr, in dem viele neue Projekte auf den Weg gebracht oder umgesetzt wurden. Besonders hob die Verwaltungsratsvorsitzende Doris Peter das neue Bundesteilhabegesetz hervor, mit dem sich auch das Behinderten-Werk auseinandersetzen musste. Peter sieht vor allem den gestiegenen Verwaltungsaufwand kritisch, den die Klienten nicht alleine bewältigen können. Zu Beginn des neuen Jahres appellierte sie aber auch, positiv in dieses zu gehen. „Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht“, schloss sie mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach. Diese Welt bringe eine Vielzahl an Herausforderungen mit, nicht zuletzt im Bereich der digitalen Medien und der technologischen Fortschritte.

Um zu klären, was es für einen digitalen Humanismus braucht, ging Gastredner Professor Dr. Julian Nida-Rümelin zunächst auf die Frage ein, was sich grundsätzlich hinter dem Begriff Humanismus verbirgt. Er führte aus, dass der Mensch sich wesentlich dadurch von der Tierwelt unterscheide, dass er dazu in der Lage sei, darüber nachzudenken, was das Menschsein eigentlich ausmache und wie jeder damit umgehen wolle. Mit Blick auf die verschiedenen Phasen der Geschichte sagte er, dass die vom Humanismus geprägten Phasen die Zeiten waren, in denen es den Menschen sehr gut ging. „Humanismus bezieht alle mit ein“, betonte er. Alle verdienten den gleichen Respekt, die gleiche Würde, die gleiche Anerkennung. Kinder im vorsprachlichen Alter hätten eine sehr ausgeprägte Empathie und einen starken Impuls, anderen zu helfen. „Der Mensch hat von Natur aus eine starke moralische Prägung.“ Allerdings zunächst nur gegenüber den Menschen, die ihm nahestehen. Diese auch auf andere Menschen, die ganz unterschiedlich sein können, zu übertragen, sei die Herausforderung. Mit Blick auf die häufig beschriebenen disruptiven Technologien findet Nida-Rümelin einen längeren Blick lohnenswert: „Lassen wir die Kirche erst mal im Dorf.“

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