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Naturschutz als Herzensangelegenheit

Barbara Fiselius, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes, geht in den Ruhestand

08. März 2022 / 09:07 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Barbara Fiselius, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Main-Kinzig-Kreis, ist seit 1. März im Ruhestand. An ihrem letzten Arbeitstag als Geschäftsführerin hatten ihre Mitarbeiterinnen sie mit einer kleinen Feierstunde im Domizil des LPV im Schafhof-Gebäude in Burgjoß überrascht. Klaus Schejna, Bürgermeister der Gemeinde Rodenbach und Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes, dankte Barbara Fiselius für ihr langjähriges Engagement und erinnerte an ihre aktive Zeit beim LPV.

Am 1. Oktober 1994 wurde Barbara Fiselius als Geschäftsführerin eingestellt. „Eine beachtliche Zeit“, wie Schejna betonte. „Hätte die Feier zwölf Tage früher stattgefunden, wären es genau 10 000 Tage gewesen“, rechnete er vor. Dank der Kontinuität sei Barbara Fislius immer eine gute und verlässliche Ansprechpartnerin gewesen.

Aus ihren Aktivitäten in der AG Magerrasen bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) war im gleichen Jahr das Projekt zum Erhalt wertvoller Magerrasen im Bergwinkel hervorgegangen. Es folgten Initiativen zur Förderung der Direktvermarktung: das Bergwinkel-Lamm nach Vorbild des Betriebs Krenzer in der Rhön und die Kooperation mit der Kelterei Stier im Westkreis. 1994 wurde für Maintal der Biotopverbund Streuobst ins Leben gerufen. Daraus resultierten Sanierungsprojekte für Streuobst und die Gründung von Arbeitskreisen. Streuobstinitiativen wurden auf den gesamten Landkreis ausgeweitet. Insgesamt wurden bis heute mehr als 350 Projekte auf den Weg gebracht. Auch beim Umweltfest in Rodenbach sei der Landschaftspflegeverband immer vertreten gewesen.

Die erste Obstbaumpflegeanleitung mit Schnittkursen gab es in Hochstadt. Ab 2002 wurden dann jährlich Obstbaumpflegekurse angeboten, zunächst ausschließlich für Frauen. Seit 2006 sind auch Männer zugelassen. Gemeinsam mit Gärtnermeister und Gartenbaulehrer Josef Weimer wurde die Ausbildung zum zertifizierten Landschaftsobstbauer entwickelt. 2003 war Barbara Fiselius bei der Gründung des Streuobstzentrums Lohrberg involviert, das seit 2007 als „Main-Äppel-Haus“ bekannt ist. Sie unterstützte dort vor allem das Kinderprojekt, aber auch ein großes Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zur Biodiversität von Streuobstwiesen, speziell für Fledermäuse. Seit 2009 gibt es jährlich im Herbst die Obstbaumausgabe – ebenfalls ein Erfolgsprojekt. „Dieses Jahr werden wir den 20 000. Baum im Main-Kinzig-Kreis ausgeben“, prognostizierte Schejna.

„Mit dem aktuellen Projekt ‚Bergwinkelgrün‘ zur Sicherung wertvollen Grünlandes und einem erneuten Biotopverbundprojekt Streuobst in Maintal und Nidderau schließt Barbara Fiselius einen Kreis und zeigt, wie nachhaltig ihre Arbeit ist“, würdigte Schejna das Engagement der Geschäftsführerin. Auf ihre Expertise kann der LPV weiterhin zurückgreifen, denn als Projektmitarbeiterin bleibt sie dem Team erhalten. Zwölf Mitarbeiter kümmern sich zurzeit um den LPV, dem 17 Kommunen und 17 Vereine angehören.

„Du hast deine Berufung zum Beruf gemacht. Du bist menschlich eine sehr angenehme Persönlichkeit und hast die Kooperationspartner mit Deinem Fachwissen überzeugt und begeistert“, lobte Schejna. Seine Wünsche für die Zukunft: „Humor, viel Gesundheit und dass wir uns noch lang und oft begegnen“.

Barbara Fiselius blickte dankbar zurück: „Ich konnte immer das machen, was ich wollte.“ Das habe ihr geholfen, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. „Einen besseren Chef kann man sich nicht wünschen“, wandte sie sich an den Vorsitzenden Klaus Schejna. Die Belegschaft bezeichnete sie als eine „super Truppe“, die sich weit über das hinaus engagiere, was man erwarte. Die Mitarbeiter unterstützten sich auch gegenseitig solidarisch. „Ich bin froh, dass ihr das alles gemacht habt. Es wäre alles nichts, wenn ihr nicht wäret“.

Katrin Hess, Leiterin des Kreisumweltamtes, überbrachte die Glückwünsche des Main-Kinzig-Kreises, und Fritz Dänner vom Vorstand des Landschaftspflegeverbandes erinnerte in seinen Grußworten an gut funktionierende Bürogemeinschaften mit Barbara Fiselius. Mascha Werth, stellvertretende Geschäftsführerin des LPV, überreichte ihr im Namen der Belegschaft ein Abschiedsgeschenk. Eine Fotopräsentation mit Erinnerungen an das Wirken von Barbara Fiselius rundete die kleine Feierstunde ab.

Der Arbeitsalltag der Geschäftsführerin war geprägt von zahlreichen Telefonaten mit Projektpartnern, Verbänden und Vereinen, Kommunen und Privatpersonen. Diese Tätigkeit weiß sie nun in guten Händen: An ihrem letzten Tag reichte sie den Telefonhörer symbolisch an ihren Nachfolger Matthias Metzger weiter. Der 54-jährige Diplom-Forstingenieur war zuvor als Naturschutzberater für eine große Forstverwaltung in Niedersachsen tätig. „Ich freue mich sehr darauf, die vielfältigen Aufgaben und Projekte gemeinsam mit dem engagierten Team umzusetzen“, sagte der neue Geschäftsführer.

Erfahrungen in der Leitung von Naturschutzorganisationen hat er zuvor als Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Heidekreis und des Vereins Rhön-Natur gesammelt. Der gebürtige Hesse ist Streuobst- und Apfelweinliebhaber und hat sich mit der Rückkehr in die alte Heimat einen Herzenswunsch erfüllt.

„Ich freue mich sehr darauf, die vielfältigen Aufgaben und Projekte gemeinsam mit dem engagierten Team umzusetzen“, betonte Metzger. „Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig leistet seit Jahrzehnten eine hervorragende Naturschutzarbeit. Den Ansatz, die Interessen von Naturschutz, Landnutzern und Kommunen zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft zusammenzuführen, halte ich für den richtigen Weg.”

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