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Schwesterherzen und Bruderpflichten

Prozess um Geiselnahme vor dem Hanauer Landgericht fortgesetzt

06 Jun 2019 / 22:08 Uhr

Hanau (nic). Der Auftakt war holprig: Weil der Angeklagte sich von seinem Pflichtverteidiger nicht gut beraten fühlte und sich einen neuen Rechtsbeistand auserkor, der wiederum nicht vor Gericht erschien (die GNZ berichtete), mussten Zeugen umgeladen und Verhandlungen neu terminiert werden. Inzwischen scheint nun zumindest die Frage nach der juristischen Vertretung des Angeklagten für den Moment geklärt, so dass am dritten Verhandlungstag endlich die Beweisaufnahme im Prozess gegen Gino T. (alle Namen geändert) beginnen konnte.

Geiselnahme und Körperverletzung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, und zumindest Ersteres ist kein ganz alltäglicher Gegenstand bei den Verhandlungen in Saal 215 des Hanauer Landgerichts. Am Abend des 13. Januar soll Gino T. laut Anklageschrift Anita B., seine Ex-Schwägerin, zunächst in deren Wohnung bedroht und geschlagen und sie dann gezwungen haben, mit ihm gemeinsam zu seiner Schwester zu fahren, die in der Nähe von Mainz lebt. Die Erörterung der Hintergründe dieses Geschehens sind Gegenstand an Tag eins der Beweisaufnahme, und eben das gestaltet sich angesichts von familiären Verhältnissen, die sich bestenfalls als ungewöhnlich beschreiben ließen, nicht unbedingt als einfaches Unterfangen.

Gino T. gehört zu einer großen Familie, einer sehr großen. Es ist eine von denen, die vielerorts von der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert werden. „Tschechische Zigeuner“, nennt es Anita B., die selbst viele Jahre Teil einer solchen Familie war.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 7. Juni.

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