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Tausende gegen den Terror

Nach der Bluttat in Hanau: Demonstrationen gegen Rassismus

23 Feb 2020 / 19:30 Uhr
Hanau (nic). Eigentlich hatte Hanau feiern wollen an diesem Tag. Genau jetzt, kurz nach 14 Uhr am Samstagnachmittag, sollte sich der Karnevalsumzug in Bewegung setzen, Kinder auf die Jagd nach Bonbons gehen, Menschen lachen, singen, schunkeln. Hätte. Wäre. Könnte. Nichts von alledem passiert. Zwei Tage zuvor hat ein Mann mit einem kranken Weltbild dieser Stadt jeglichen Grund zur Fröhlichkeit genommen. Und neun jungen Menschen das Leben. Nach dem mutmaßlich rassistisch motivierten Amoklauf am Mittwoch in Hanau gedachten auch am Wochenende Tausende Menschen der Opfer und forderten zugleich von der Politik eine Zeitenwende im Kampf gegen den rechten Terror.

„Es ist Zeit, zuzuhören“, sagt Newroz Duman vom Bündnis „Solidarität statt Spaltung“, zu dem mehrere Gewerkschaften, Initiativen, Kirchen und Vereine gehören, und das die Veranstaltung am Samstag organisiert hat. An diesem Tag sollen auf der Bühne keine Politiker zu Wort kommen, sondern Betroffene. Menschen, denen durch rechtsextremistischen Hass Töchter und Söhne, Väter und Mütter, Partner und Freunde genommen wurden. Aus Berlin, Köln, München, Chemnitz und Halle sind sie gekommen oder haben Grußbotschaften an die Menschen in Hanau geschickt, die auf der Bühne verlesen werden. Es sind beklemmende Worte, die von Verlust, Schmerz und Wut erzählen. Von dem Gefühl, sich in seiner Heimat nicht mehr sicher zu fühlen, weil man schwarze Haare hat. Und auch davon, wie es sich anfühlt, mit dieser Angst allein gelassen zu werden.

Tausende Menschen hören zu, auf 3 000 schätzt die Polizei ihre Zahl zunächst, später ist von bis zu 6 000 Teilnehmern die Rede. Der Freiheitsplatz ist ein Meer von Fahnen und Fotos, auf riesigen Bannern steht „Rassismus tötet“, auf kleinen Schildern „#Wirsindmehr“. Viele halten Plakate mit der Aufschrift „Say their names“, „Sagt ihre Namen“, hoch, und wieder und wieder werden sie genannt, die Namen von neun Menschen, die Tobias R. am Mittwochabend in einer Shisha-Bar am Heumarkt und einem Kiosk in der Weststadt erschoss, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete.

Mehr lesen Sie in der GNZ vom 24. Februar.

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