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Verwaltung an Belastungsgrenze

Weiteres Personal abgeordnet / Infektionszahlen steigen ungebremst

15 nov 2021 / 15:24 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Das ungebremste Wachstum bei den Coronavirus-Neuinfektionen hat den Main-Kinzig-Kreis dazu veranlasst, weitere interne Maßnahmen zu treffen, um die Arbeitsbelastung im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr zu entschärfen. So wird in den nächsten Tagen Personal aus anderen Bereichen der Verwaltung abgezogen, um in der Abarbeitung der Fälle mitzuhelfen. Das wiederum kann bedeuten, dass die Öffnungszeiten und Erreichbarkeiten in anderen Teilen der Kreisverwaltung sowie an Außenstellen eingeschränkt werden müssen.

Eine noch stärker digitalgestützte Arbeit der Mitarbeiter, beispielsweise in der Vermittlung von PCR-Test-Terminen oder der automatischen Übermittlung und Zuordnung von Schnelltestergebnissen über das „Daicy“-Portal, hatte in den vergangenen Wochen und Monaten schon Personalkapazitäten freigeschaffen. Doch diese Puffer seien angesichts von wöchentlichen Fallzahlen von mittlerweile über 900 irgendwann aufgezehrt, wie Landrat Thorsten Stolz klarmacht. „Unser besonderes Augenmerk liegt in der Eindämmung von Ausbruchsgeschehen und im Schutz besonders sensibler Bereiche. Dazu zählen die Pflege, Schule, Betreuung und Krankenhäuser. Auf diese Fälle legen wir die größte Priorität. Das führt jedoch auch dazu, dass wir bei anderen positiv Getesteten sehr stark auf deren Eigenverantwortung und Mithilfe setzen“, so Stolz.

Der Main-Kinzig-Kreis appelliert in diesem Zusammenhang an die Bürger, die Corona-Situation sehr ernst zu nehmen. Dabei könne und müsse jeder einen Beitrag leisten. Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler: „Wer sich unwohl fühlt, wer Erkältungssymptome hat, wer vielleicht auch konkreten Grund zur Annahme hat, sich angesteckt zu haben, der sollte sich an seine Hausarztpraxis wenden und testen lassen, sollte sich fernhalten von Feiern, Veranstaltungen und Menschansammlungen und sollte auch seine Kontakte der vergangenen Tage protokollieren, um sie schnell und selbstständig zu informieren, wenn ein Testergebnis positiv ausfällt. Rasches eigenverantwortliches Handeln ist in diesen Zeiten ungebrochen hoher Mobilität und vieler Kontakt elementar.“

Für die Kreisspitze, die am Montag in der Sitzung des Verwaltungsstabs über die Corona-Situation beraten hat, hängen die großen Themen dieser Tage eng zusammen: Impfen, Testen, Infektionsgeschehen. Die Impfkampagne sei bundesweit schon im Sommer ins Stocken geraten, woraufhin auch Kapazitäten wie Impfzentren abgebaut wurden. Auch die leicht zugänglichen und breit verfügbaren Schnellteststationen gibt es erst seit dem Wochenende wieder. Gleichzeitig breite sich das Coronavirus in allen Alters- und Bevölkerungsschichten ungebremst aus. Selbst in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen liege der Inzidenzwert mittlerweile wieder bei über 150, da die Kontaktmöglichkeiten, die sich im öffentlichen Raum ergeben, auch reichlich genutzt werden. „Es sind gerade die Gesundheitsämter und der öffentliche Gesundheitsdienst, bei denen sehr viel abgeladen wird und bei denen eine sehr hohe Verantwortung liegt. Die Kollegen gehen schon wieder seit Wochen hart an ihre Belastungsgrenze und darüber hinaus, und sie werden mitunter noch unflätig beschimpft“, sagte Landrat Stolz am Montag. „Selbst mit einer Verdopplung des Personals können wir aber nicht mehr jeder infizierten Person im Main-Kinzig-Kreis in langen, ausführlichen Telefonaten vorbuchstabieren, dass sie zu Hause bleiben, sich auskurieren und testen muss. Das ist bei diesen Zahlen und Infektionswerten nicht möglich. Das sollte aber nach 20 Monaten Pandemie mittlerweile auch jeder selbst wissen und mittragen können, und man sollte auch die Tragweite kennen, wenn man die Notwendigkeiten ignoriert.“

Neben der weiteren Stärkung des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr stärkt der Main-Kinzig-Kreis auch das Team um Impfleiterin Dr. Silke Hoffmann-Bär. Die Arbeit der „Dein Pflaster“-Impfstellen in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern wird kurzfristig zeitlich und personell ausgedehnt, die Personalakquise läuft bereits. Außerdem sollen zusätzliche Kapazitäten für mehr dezentrale Impfaktionen in der Fläche geschaffen werden. Hintergrund ist ein massiver Anstieg der Impfnachfrage in den vergangenen Tagen. „Ich denke, dass hier das aktuelle Infektionsgeschehen eine starke Rolle spielt und sich viele Menschen jetzt noch so schnell wie möglich ihre Erstimpfung oder ihre Auffrischung abholen wollen“, schätzt die Erste Kreisbeigeordnete Simmler. Sie wies am Montag erneut darauf hin, dass die erste Adresse für Impfungen, insbesondere auch Auffrischungsimpfungen, die niedergelassene Ärzteschaft ist. Es werde weder bei den ambulanten noch bei den stationären Impfangeboten eine Unterscheidung gemacht, wo jemand herkomme und ob es der erste oder der dritte Piks sei, sofern der rechtliche Rahmen eingehalten werde. „Dennoch bitte ich um Verständnis, dass der öffentliche Gesundheitsdienst hier nur ergänzend wirken kann und der Hauptanteil der Impfungen durch die Arztpraxen übernommen werden sollte. So hat es das Land Hessen in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung klar geregelt.“

Schuldezernent Winfried Ottmann sieht die Empfehlungen des Kreises an die Bereiche Bildung und Betreuung bestätigt, die auf stärkeres Testen, Kohortierung und Schutz hinauslaufen: „Die Schulträger Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau haben sehr früh auf die positive Wirkung der Präventionswochen auf das Infektionsgeschehen hingewiesen. Kaum wurden die Maßnahmen gelockert, sehen wir bereits erste Ausbrüche in Schulklassen und Jahrgängen. Wenn wir eine weitere Zunahme verhindern wollen, braucht es stärkere Anstrengungen. Denn das Risiko, sich anzustecken, wird für die Kinder und Jugendlichen leider täglich größer.“

Die Infektionszahlen haben sich im Kreisgebiet nach einem ersten größeren Anstieg im September vor allem seit Mitte Oktober drastisch erhöht. Derzeit gelten 1 790 Menschen im Kreisgebiet als infektiös. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen liegt bei 223. Die Belegungszahlen in den Krankenhäusern ist ebenfalls deutlich angestiegen. In den vier Kliniken werden derzeit 47 Patienten mit Covid-19 behandelt, elf von ihnen intensivmedizinisch. Mitte Oktober lag diese Zahl noch bei 18 Personen insgesamt beziehungsweise fünf, die auf den Intensivstationen lagen.

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