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Virus noch lange nicht gebremst

Bilanz nach zwei Wochen „Lockdown Light“ im Kreis

13 Nov 2020 / 16:51 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Landrat Thorsten Stolz und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky ziehen gemeinsam mit Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler nach den ersten beiden Wochen des „Lockdown Light“ für den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau ein differenziertes Fazit. „Auf der einen Seite sind wir dankbar dafür, wie diszipliniert sich der überwältigende Teil der Bürger in den ersten beiden November-Wochen verhalten hat, auf der anderen Seite spiegelt die Entwicklung der Infektionszahlen diese Disziplin noch nicht so wider, wie wir es uns erhofft haben“, so der Landrat und der OB.

Die Inzidenzwerte in den Kommunen im Main-Kinzig-Kreis und insbesondere in Hanau bewegten sich derzeit auf einem sehr hohen Niveau. „Es ist erkennbar, dass enge urbane Räume in der Rhein-Main-Region bei den Inzidenzen in Hessen derzeit an der Spitze liegen“, bilanzieren Stadt- und Kreisspitze. Frankfurt weise eine Inzidenz von 290 (RKI) aus, Offenbach von 342 (eigene Homepage) und Hanau, würde man es im Main-Kinzig-Kreis gesondert betrachten, einen Wert von über 370 aus. Doch auch in allen anderen Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreise seien zum jetzigen Zeitpunkt hohe Infektionswerte festzustellen. Dies zeige der kreisweite Inzidenzwert von 217. Das bedeute, dass sich das Virus in der Bevölkerung ausbreite.

„Auch wenn die Auswirkungen der Maßnahmen erst ab der kommenden Woche effektiv Wirkung zeigen können, betrachten wir diese Entwicklungen derzeit mit großer Sorge“, sagt Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler. Die Sorge begründe sich darauf, dass in den vergangenen drei Wochen die Zahl der belegten Intensivbetten in den Krankenhäusern in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern massiv angestiegen sei. Während am 14. Oktober im gesamten Kreisgebiet keine Patienten auf der Covid-Intensivstation gelegen hätten, seien dies am Freitag bereits 14 gewesen, davon acht unter künstlicher Beatmung. Auch in sensiblen Einrichtungen wie Seniorenheimen sei ein vermehrter Eintrag des Virus festzustellen gewesen. Diese Entwicklung sei zwar auch bundesweit feststellbar, was jedoch nicht die Dramatik gerade in der hoch vulnerablen Gruppe an Personen abschwäche.

„Wir sind sehr nahe am Stand vom Frühjahr – an einigen Stellen schon einen Schritt weiter“, so die Kreis- und Stadtspitze. „Das macht jede Maßnahme, jede Entscheidung eines jeden von uns umso wichtiger. Jeder, der Hilfe braucht, soll sie bekommen. Jeder der Hilfe leisten kann, soll sie leisten können. Das geht nur, wenn wir die Gesundheitssysteme nicht überfordern.“ Die Lage in Krankenhäusern bereite ernsthafte Sorge: „Wir sind mittlerweile in der Situation, dass Elektiveingriffe in unseren Krankenhäusern zurückgefahren werden müssen, um die notwendigen Kapazitäten im Bereich der Intensivstationen für Corona-Patienten vorzuhalten und auch das pflegerische Personal nicht überzubelasten“, sagt Stolz.

Auch wenn es mancher noch immer nicht wahrhaben wolle: „Es tritt exakt das ein, was wir immer gesagt haben: Mit einer Zunahme des Infektionsgeschehens innerhalb der Bevölkerung steigen auch die stationären Aufnahmen. Der Rettungsdienst führt den Krankenhäusern kontinuierlich Patienten zu – auch Patienten von außerhalb des Kreises –, die Aufnahmen in den Normalstationen steigen, und die Intensivstationen haben viel zu tun. Gleichzeitig vermelden auch unsere Krankenhäuser Corona-Fälle unter der Mitarbeiterschaft. Genau das ist insgesamt eine herausfordernde Situation.“

Durch die Ende vergangener Woche getroffene Entscheidung, in den Schulen des Kreises zunächst bis zu den Weihnachtsferien den Unterricht im Wechsel zwischen Präsenz und Distanz ab Klasse 7 zu organisieren, hoffen alle Verantwortlichen auf Entspannung. „Mit Stand vom Donnerstag waren 39 Schulen im Kreis von Covid-Fällen betroffen. Mehr Distanz ist das allgemeine Ziel. Das geht nur mit weniger Schülern in den Klassen. Wir sehen sonst die Gefahr des ‚Salami-Lockdown‘ – alleine schon, wenn zu viele Lehrer in Quarantäne gehen müssen und keine Lehrkräfte mehr in den Schulen unterrichten können.“

Mit großer Besorgnis und einer gehörigen Portion Unverständnis schauen Stadt- und Kreisspitze auf die Reihen der Corona-Leugner und „Querdenker“, die für sich besondere Rechte in Anspruch nehmen wollten, wie die Demonstration in Leipzig offenbart habe. In Hanau seien es am Mittwoch zum Glück nur rund 50 Demonstranten gewesen. „Unser Bundespräsident hat die richtigen Worte gefunden: Rücksichtslosigkeit ist kein Freiheitsrecht“, schließen sich OB Kaminsky, Landrat Stolz und Dezernentin Simmler Frank Walter Steinmeier an.

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