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„Wie sollen wir das alles schaffen?“

Kreisvorstand der Lehrergewerkschaft kritisiert Kultusministerium

25 Jan 2021 / 16:10 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (re). Der Kreisvorstand der Bildungsgewerkschaft GEW im Altkreis Gelnhausen hat sich online über die derzeitige Situation an den Schulen beraten. Vertreter der verschiedenen Schulformen im Kreisvorstand stellten fest, dass die Situation in den Schulen kaum zu vergleichen sei. Während an der einen Schule noch mit der Technik gekämpft werde, sei an anderen Schulen der digitale Unterricht schon eingespielte Routine.

„Die Schulleitunge und die Kollegen tun ihr Möglichstes, um das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen – aber das Kultusministerium hat lange Zeit geschlafen“, konstatiert Mario Wagner (Gesamtschule), Mitglied des dreiköpfigen Vorsitzenden-Teams, zu dem auch Heike Rickert-Fischer (Grundschule) und Herbert Graf (Gymnasium) gehören. „Die dienstlichen E-Mail-Adressen sind immer noch nicht funktionsfähig, das Schulportal fällt immer wieder aus, die angekündigten dienstlichen Endgeräte sind nach wie vor nur eine Ankündigung, und dringend notwendige Erlasse treffen immer erst in letzter Sekunde in den Schulen ein“, ergänzt Herbert Graf. Als Beispiele nennt er den Erlass zum Einsatz von Videokonferenzsystemen für Zeugniskonferenzen oder zum Thema Mehrarbeit. „Ende vergangener Woche wurde endlich zumindest teilweise Klarheit geschaffen, wie immer auf den letzten Drücker“, sagt Heike Rickert-Fischer. Graf betont: „Wir fordern eine rechtzeitige Übermittlung von Rechtsgrundlagen an die Schulen, verlässlichere Perspektiven, was die technische und netzwerkmäßige Ausstattung betrifft und nicht zuletzt eine klare Prioritätensetzung bei der Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte. Schließlich hat das Kultusministerium auch eine Fürsorgepflicht.“

Die Lehrer leistetetn Mehrarbeit zuhauf: morgens die Kinder in Präsenz unterrichten, nachmittags die Kinder im Distanzunterricht betreuen oder beides parallel, auf mehrere Räume aufgeteilte Klassen parallel unterrichten, Notenbesprechungen telefonisch vornehmen. „Viele sind am Rande ihrer Belastbarkeit und manche schon darüber hinaus, besonders an den Grundschulen“, sagt Barbara Watteroth-Mann, Grundschullehrerin und Geschäftsführerin des Kreisverbans. Und das werde gemäß den neuen Schreiben aus Wiesbaden auch so weitergehen. „Uns ist völlig unklar, wie wir an den Schulen all das bewältigen sollen, was der Minister sich so vorstellt: Präsenzunterricht für die Abschlussklassen in zwei Klassenräumen gleichzeitig – der Mindestabstand muss ja eingehalten werden –, Wechselunterricht für die Klassen 1 bis 6, Distanzunterricht für die Klassen 7 bis 8/9 und neuerdings auch noch eine Notbetreuung – und all dass gleichzeitig“, beklagt Julia Czech (Gesamtschule), Mitglied im Kreisvorstand.

Hinzu komme, dass das Kultusministerium sich systematisch die Welt schönrechne. So interessiere man sich bei den statistischen Abfragen zum Schulbesuch nur für die Zahl der Kinder, die trotz aufgehobener Präsenzpflicht in die Schule kämen, obwohl sie dies nicht müssten. Die Zahl der Schüler der Abschlussklassen, die ebenfalls zur Schule gehen, interessiere hingegen nicht. „So entsteht ein völlig falsches Bild von der Realität“, betont Julia Czech. „Der Öffentlichkeit wird vorgegaukelt, es seien kaum Schüler in den Schulen. In Wirklichkeit sind es viel mehr, mit allen Konsequenzen für das Pandemiegeschehen.“

Abschließend wirft der Kreisvorstand die Frage auf, weshalb Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher erst so spät geimpft würden. Diese Berufsgruppen seienbesonders gefährdet und benötigten besonderen Schutz. „Bei allem Verständnis für die Prioritätensetzung bezüglich der Corona-Impfaktion hätten wir uns da eine andere Entscheidung gewünscht“, sagt Mario Wagner.

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