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„Wir sind wie der Torwart in einem täglichen Fußballspiel ohne Abwehr“

Krankenhaushygieniker Frank Forst über die Situation an den Main-Kinzig-Kliniken

18 Apr 2021 / 17:11 Uhr

Main-Kinzig-Kreis. Die Kreisspitze hat die Lage der Pandemie am Freitag als „äußerst besorgniserregend“ bezeichnet und dabei insbesondere auf die knappen Kapazitäten in den Krankenhäusern verwiesen. Über die Situation an den Main-Kinzig-Kliniken sprach GNZ-Chefredakteur Thomas Welz mit dem Krankenhaushygieniker Frank Forst, der in dieser Funktion den Ärztlichen Direktor und die Geschäftsführung berät. Im Krisenstab der Main-Kinzig-Kliniken berät er zudem bei Fragen zu Schutzausrüstung, Teststrategien, Quarantäneregelungen, Ressourcenverteilungen, Ausbruchsmanagement, Umsetzung ständig novellierter Empfehlungen des RKI und Organisation der Personalimpfungen in der Klinik in enger Abstimmung mit dem Main-Kinzig-Kreis.

GNZ: Die Main-Kinzig-Kliniken haben im Zuge der Pandemie die Zahl der Betten auf der Intensivstation von 21 auf 25 erhöht. Wie ist die aktuelle Auslastung?

Frank Forst: Im Rahmen der Umstrukturierung angesichts der Corona-Pandemie haben wir aktuell zwölf Betten für Sars-CoV-2-Patienten zur Verfügung und 13 Betten für die übrigen Intensivpatienten. Im Bereich der Sars-CoV-2-Patienten liegt die Belegung aktuell schwankend zwischen neun und elf Patienten und damit in etwa auf dem gleichen Level wie zum Gipfel der zweiten Welle. Dies bedeutet aber auch, dass wir im Bereich der Non-Covid-Patienten aktuell mit 13 statt der üblichen 21 Betten auskommen müssen, was die Versorgung der Notfallpatienten erschwert und auch immer wieder die Verschiebung von Operationen, die nicht zwangsläufig an diesem Tag erfolgen müssen, erforderlich macht.

Doch der Blick auf Zahlen reicht nicht aus, um zu verstehen, was das eigentliche Problem ist und weshalb Krankenhäuser heute wieder Alarm schlagen. Vielmehr geht es darum, was die Versorgung von Covid-Patienten unter den aktuellen Bedingungen physisch und psychisch für unsere Kollegen bedeutet.

Erstens waren die Intensivstationen schon vor der Pandemie durchgängig ausgelastet und oftmals am Limit. Schon vor der Pandemie haben wir immer wieder auf den chronischen Personalmangel aufmerksam gemacht. In diese hoch angespannte Lage kam Corona. Es mussten zusätzlich neue Strukturen geschaffen werden, im laufenden Betrieb mussten die Stationen umgebaut, neue Wege, neue Abläufe, neue Dienstpläne erarbeitet werden. Parallel dazu sind zahlreiche Kollegen ausgefallen, weil sie sich selbst mit Corona infiziert haben, Zwölf-Stunden-Schichten wurden eingeführt, und, und, und... Das hat jeden viel Kraft gekostet

Zweitens ist die Arbeit an sich, nämlich die pflegerische oder medizinische Versorgung der Patienten, bei Covid-Patienten nicht mit anderen zu vergleichen. Physisch: das stundenlange Tragen der Schutzausrüstung, die Hitze darin, wenig Luft, dabei eventuell schwergewichtige Patienten mit bis zu 14 Schläuchen regelmäßig in die Bauchlage zu bringen – all das ist körperlich enorm anstrengend. Zusätzlich kostet es viel Zeit, sich zwischen den Patienten an- und ausziehen, die Schutzausrüstung zu wechsel – Zeit, die meist nicht da ist. Und dann kommt noch die psychische Belastung hinzu: für Patienten, die wahnsinnige Angst haben, nur bedingt dasein zu können, und im schlimmsten Fall Menschen beim Sterben zu begleiten, weil Angehörige nicht dabeisein können – das belastet unsere Kollegen auf Dauer immens.

Das komplette Interview mit Frank Forst lesen Sie in der GNZ am Montag, 19. April

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