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Jedes einzelne Haar für den guten Zweck

Friseurmeister Dirk Specht sammelt Reste für Ölfilter und Zöpfe für Perücken

28. März 2022 / 09:17 Uhr
Ronneburg (tsl). „In unserem Salon wird jedes Haar verwertet“, sagt Friseurmeister Dirk Specht. Denn die Haarreste der Kunden landen nicht einfach nur im Müll, sondern bekommen – je nach Länge – eine zweite Aufgabe: als Ölfilter in Meeren und Seen oder als Perücke für Krebspatienten. „Wir haben keinen Mehraufwand und trotzdem etwas Gutes getan“, fasst es Specht, der in Ronneburg „Hair by Specht“ führt, zusammen.

Mit Spenden kennt sich Dirk Specht aus: 2019 sorgte er für Aufsehen, als er den wohl längsten Spendenzopf der Welt präsentierte, stolze 34 Meter war er lang. Specht hatte dazu aufgerufen, Haare zugunsten von krebskranken Menschen abschneiden zu lassen, daraus wurden Echthaarperücken gemacht.

Zöpfe sammelt der 47-Jährige auch jetzt: In einer Kiste häufen sich zum Pferdeschwanz gebundene Haare. „Haarespenden, die länger als 25 Zentimeter sind, werden für Perücken für Krebskranke verwendet.“ Alle anderen haben nun ebenfalls eine wichtige Aufgabe: Sie gehen an die Organisation „Hair help the oceans“, um Öl, Benzin und Sonnenmilchreste aus dem Meer zu ziehen. „Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, dass Haar viel aufnehmen kann, also Feuchtigkeit und Öle“, sagt der Friseurmeister. Und genau diese Eigenschaft des Haares wird genutzt, um es als „natürliches Reinigungsmittel“ gegen Wasserverschmutzung in Meeren, Flüssen und Seen einzusetzen.

Dafür werden die abgeschnittenen Haare in alte Nylonstrümpfe gefüllt. Mit einem Kilogramm könne man bis zu acht Kilogramm Öl aus dem Wasser ziehen, schreibt die Organisation, deren Flyer Specht nun auch in seinem Salon auslegt, die Haarnetze lassen sich bis zu acht Mal einsetzen, bevor sie entsorgt werden. Dabei spiele es keine Rolle, sagt er, ob das Haar getönt ist oder eine Dauerwelle gemacht wurde. „100 Prozent der Haare, die die Kunden dalassen, gehen an die Organisation.“

Einmal im Monat werden die Spenden abgeholt. Gesammelt werden sie in Kartons, „es kommen keine Plastiktüten zum Einsatz“, so Specht. Nachhaltiges und umweltfreundliches Handeln ist ihm wichtig, auch bei den Produkten, die bei ihm im Salon zum Einsatz kommen: „Die Verpackung unserer Haarprodukte ist zu 55 Prozent aus Plastik gefertigt, das aus dem Meer gefischt wurde“, zudem sind sie tierversuchsfrei. Auch an anderen Stellen in seinem Salon macht sich Specht Gedanken: „Wir haben Solaranlagen auf dem Dach, um uns mit grünem Strom zu versorgen.“

Vorbildliches Handeln hat sich der 47-Jährige auch gegenüber seinen Mitarbeiterinnen auf die Fahne geschrieben. Seine letzten Auszubildenden hat er alle behalten, sie hätten immer zu den Besten ihres Jahrgangs gehört. „Außerdem habe ich dem Mindestlohn vorgegriffen und die Löhne erhöht.“ Specht zahlt mehr als die Lohnuntergrenze, sagt er und möchte, dass der Abstand zum Mindestlohn gewahrt bleibt. „Kein Mensch, der körperlich arbeitet, sollte so wenig verdienen, vor allem, wenn es seine Aufgabe ist, andere Menschen zu verschönern.“ Wer einen Salon mit sehr niedrigen Preisen besuche, der müsse davon ausgehen, dass die Mitarbeiter entsprechend schlecht bezahlt werden. Und so ist es kein Wunder, dass Specht kein Problem hat, Personal zu finden.

Mehr Informationen zu den Ölfiltern aus Haaren finden Interessierte im Internet unter www.hair-help-the-oceans.com.

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