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Flutwelle vom Oberland bis zur Kinzig

Hochwasser und Überschwemmungen beschäftigen Feuerwehren und Anwohner

29 Jan 2021 / 23:12 Uhr
Birstein/Brachttal/Wächtersbach (erd). Gestern haben die rasche Schneeschmelze und der Starkregen entlang der Flüsse Bracht, Reichenbach und Riedbach für Hochwasser und Überschwemmungen gesorgt, sodass die Feuerwehren aus Birstein, Brachttal und Wächtersbach im Dauereinsatz waren. Selbst die Spielberger Platte blieb nicht verschont. Auch dort musste die Feuerwehr Keller auspumpen.

Die Flutwelle im Bereich der Bracht braute sich bereits seit der Nacht vor allem in den höheren Lagen zusammen. Bedingt durch die milden Temperaturen setzte eine starke Schneeschmelze ein, die durch den zusätzlichen Starkregen zunächst aus kleinen Rinnsalen bedrohlich angeschwollene Sturzbäche werden ließ. Dies sorgte vor allem in den früheren Morgenstunden in der Gemeinde Birstein für Einsätze fast aller Feuerwehren. Wie Gemeindebrandinspektor Ralf Seipel und Bürgermeister Fabian Fehl der GNZ berichten, trafen die Fluten der über die Ufer getretenen Bäche vor allem Oberreichenbach, Unterreichenbach, Untersotzbach und Birstein. In Oberreichenbach entpuppte sich der Bereich rund um das Dorfhaus als Nadelöhr, in dem sich das Wasser staute und bedenklich anstieg. In der Ortsmitte wurde nicht nur die Straße überflutet, sondern auch Grundstücke, Keller liefen voll. Bereits am späteren Vormittag ging das Wasser wieder zurück.

In Unterreichenbach schwoll der Bach, der mitten durchs Dorf fließt stark an. Wie Ralf Seipel berichtet, seien die Unterreichenbacher aber kreativ gewesen und hätten einen teil der Fluten kurzerhand umgeleitet. Dadurch war dann zwar zeitweise die Ortsdurchfahrt überschwemmt gewesen, doch die direkten Anwohner des Baches seien von noch höherem Wasser verschont geblieben, was einige Keller vor Überflutung bewahrt habe.

Ein ähnliches Bild gab es auch in Untersotzbach, wo sich im Dorf das Wasser sammelte und in Keller eindrang. In Birstein hat es besonders den Unterberg und die Bahnhofstraße getroffen. Dort seien die Straßen und auch Keller überflutet worden, als Reichenbach und Riedbach über die Ufer traten. Auch in Illnhausen, Kirchbracht und Mauswinkel seien die Feuerwehren wegen der Hochwasser führenden Bracht im Einsatz gewesen.

Seipel bilanziert den Hochwassereinsatz so. Bis auf die Wehren die beiden höchstgelegenen Ortsteile Völzberg und Lichenroth seien alle Feuerwehren im Einsatz gewesen. Mit etwa 60 Einsatzkräften gingen die Feuerwehren gegen die Fluten vor. Auch der Bauhof der Gemeinde war beteiligt. Etwa 15 Keller liefen voll und mussten ausgepumpt werden.

Großeinsatz der Feuerwehren auch weiter flussabwärts an Bracht und Reichenbach in Brachttal. Dort erreichte die Flut wenig später Neuenschmidten, Hellstein und Schlierbach. Dort die Einsatzkräfte waren bereits in den frühen Morgenstunden auf der Platte in Spielberg und Streitberg gefordert, wo die Wassermassen die Erde aus den Feldern über die Straßen schwemmte und diese unpassierbar machte. Das Wasser verwandelte kleine Bach in reißende Gewässer. So in Streitberg, wo der Bach tosend ins Tal stürzte und zunächst die Brücke eines Feldwegs und dann an der Straße von Neuenschmidten nach Streitberg die Brücke überflutete. Das Wasser ergoss sich unterhalb über die Wiesen und Felder und überquerte die Straße entlang der Schächtelburg in Richtung Hitzkirchen, wo viel Geröll auf die Fahrbahn gespült wurde und sogar Wasserdurchlässe mitgerissen wurden.

Die steilen Hänge sorgten auch in Schlierbach für Überschwemmungen; so am Rathaus, wo ein Gullideckel hochgedrückt wurde und das Wasser die B 276 überflutete. Ein ähnliches Bild gab es auch in Richtung Friedhof, wo die Fahrbahn ebenfalls unter Wasser stand und zeitweise nicht mehr zu passieren war. Gut funktionierte hingegen der Hochwasserschutz oberhalb von Neuenschmidten, wo die beiden kleinen Rückhaltebecken Wirkung zeigten, so dass sich die Überflutungen aus dem Jahr 2003 nicht wiederholten. Allerdings waren Feuerwehr und Bauhof im Einsatz, um die Wasserdurchlässe der Becken nach der Hochwasserwelle zu säubern und die Becken funktionstüchtig zu halten.

Einen Härtetest erlebte die erst vor kurzen sanierte Reichenbachbrücke in Hellstein. Der Fluss war so stark angeschwollen, dass die Wassermassen kaum mehr unter der Brücke hindurch passten. In diesem Bereich liefen zwei Keller voll, allerdings sei das nahe Gemeindehaus verschont geblieben. Gemeindebrandinspektor Alexander Grieb berichtet von mehr 50 Einsatzstellen. Die Brachttaler Feuerwehren waren alle über Stunden im Einsatz, mussten immer wieder Keller auspumpen oder Straßen absperren. Probleme gab es auch im Brachttaler Rathaus, wo das Wasser ins Erdgeschoss eindrang.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 30. Januar.

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