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Für alle stillen Helden und Helfer

Zeitzeugin Edith Erbrich spricht über ihre Kindheit im Nationalsozialismus

08 Nov 2019 / 21:12 Uhr
Wächtersbach (mes). „Wenn unsere Eltern morgens zur Arbeit gingen, wussten wir nicht, ob wir sie abends wiedersahen.“ Edith Erbrich war sechseinhalb Jahre alt, als sie mit ihrer vier Jahre älteren Schwester jeden Tag auf die Rückkehr ihrer Eltern im Frankfurter Ostend wartete. Sie wusste damals schon, dass sie eine andere Kindheit hatte als andere, eine Kindheit, die man nicht mehr vergaß. Am Dienstag erzählte sie vor fünf zehnten und einer neunten Klasse der Friedrich-August-Genth-Schule über ihre Kindheit als Jüdin im Naziregime.

Obwohl sie noch keine sieben Jahre alt war, wusste sie damals sehr genau, dass sie sich von anderen Kindern im Frankfurter Ostend unterschied. Sie durfte nicht mit jedem spielen, nur besondere Straßenseiten benutzen, sich nicht auf jede Bank setzen und bei Fliegeralarm nicht in jeden Bunker fliehen. Dass die Leute sie auf der Straße grundlos beschimpften, tat ihr weh. „Ich wusste, es hatte irgendetwas mit meiner Religion zu tun“, mehr konnte sie damals nicht verstehen. Heute weiß sie, dass der Grund die Verbindung ihrer Eltern war, die die Nationalsozialisten als „Mischehe“ bezeichneten. Sie und ihre Schwester stammten aus einer Ehe zwischen einer sogenannten Arierin und einem Juden.

Doch sie kann sich auch an viele gute Menschen erinnern, die ihnen in der Zeit heimlich halfen. „Wir Kinder zogen oft mit unseren Schlitten zur Großmarkthalle, wo auch die Kohlewagen starteten. Manch einer fuhr schneller an, damit kleine Bröckchen Kohle herunterfallen und wir sie einsammeln konnten. Als uns einmal ein Fremder die Kohle wieder abnehmen wollte, sprang einer der Kutscher vom Wagen und drohte ihm, uns in Ruhe zu lassen, sonst würde er ihn von der Brücke werfen. Heute weiß ich, er hat sein Leben für uns aufs Spiel gesetzt.“

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 9. November.

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