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Gewalt macht keinen Lockdown

Verein „Frauen helfen Frauen“ in Wächtersbach: Die Corona-Pandemie hat die Probleme verschärft – nicht nur im eigenen Zuhause

05 ene 2022 / 15:56 Uhr
Wächtersbach (tsl). Die eigenen vier Wände mögen Schutz vor dem Coronavirus bieten, nicht aber vor Schlägen und Beschimpfungen: Im Frauenhaus Wächtersbach, beziehungsweise der Fachberatungsstelle vermutet man, dass die häusliche Gewalt während der Pandemie zugenommen hat und es eine hohe Dunkelziffer gibt, sagt Leiterin Brigitte Machnitzke. Doch nicht nur zu Hause hat sich die Situation verschärft: Unsichere Zukunftsperspektiven, wenig Bewegung auf dem Wohnungsmarkt, erschwerter Kontaktaufbau im neuen Umfeld – Corona hat Problemlagen wie unter einem Brennglas verstärkt.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 blieb das Telefon bei „Frauen helfen Frauen“ still. „Es gab kaum Anfragen, was sehr ungewöhnlich war. Wir haben sogar das Telefon überprüft“, sagt Brigitte Machnitzke. Das ist kein gutes Zeichen: „Wir haben die Vermutung, dass vieles noch nicht zutage getreten ist, dass die Pandemie dazu führt, dass Frauen Gewalt länger aushalten.“ Zuhause lasse sich zudem leichter kontrollieren, mit dem die Frauen sprechen, viele haben also während der Lockdowns keine Möglichkeit gehabt, sich bei der Beratungsstelle zu melden. Zusätzlich fielen „Kontrollinstanzen“ wie Freundinnen, Arbeitskollegen, Schulen und Kindergärten weg.

Für das kommende Jahr zu planen ist schwierig. Dennoch hofft die Leiterin, dass die Wanderausstellung „Befreiende Kunst“ bald fortgesetzt werden kann. Sie zeigt Bilder, die im Projekt „Kunst-Oase“ entstanden sind. Seit 2014 können sich Frauen unter der Leitung der Künstlerin und Kunsttherapeutin Sabine Räbiger künstlerisch-experimentell ausprobieren. Mit Hilfe der Kunst soll es ihnen gelingen, sich verdrängten Traumata anzunähern. Für das Jahr 2022 ist auch ein Benefiz-Kalender erschienen, der die Bilder der Frauen zeigt, aber auch ihre Geschichte erzählt. Herausgegeben hat ihn Aristanet, der Erlös kommt dem Frauenhaus zugute. Es gibt noch einige Exemplare des Kalenders, erhältlich ist er beim Verein „Frauen helfen Frauen“ in Wächtersbach. Er kostet 10 Euro, der Erlös geht an das Frauenhaus. Wer sich noch einen sichern möchte, der kann sich unter E-Mail www.frauenhaus-waechtersbach@gmx.de oder Telefon 06053/4987 melden.

Mehr lesen Sie in der GNZ am 6. Januar.

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