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Kläranlage reicht nicht mehr aus

Ortsbeirat Waldensberg berät über Infrastruktur / Probleme mit „Rasern“

07 dic 2021 / 17:40 Uhr
Wächtersbach-Waldensberg (ekr). Mit einer umfangreichen Tagesordnung und einem bemerkenswert gefüllten Zuschauerraum traf sich der Waldensberger Ortsbeirat zu seiner 137. Sitzung. Der kleine Stadtteil „auf der Platte“ sieht vielen baulichen Investitionen in die Zukunft entgegen. Mit einem Neubaugebiet und einer Seniorendependance soll sich das Dorf attraktiv fortentwickeln. Unerfreulich blieb dagegen eine Geschwindigkeitsmessung im Ort, der Zustand der Kläranlage und der Verbleib von 200 000 Euro im Nachtragshaushalt. Stadtrat Harald Beyer, der stellvertretend für den Magistrat erschienen war, stand dem Ortsbeirat Rede und Antwort, konnte den Mitgliedern aber nicht immer zufriedenstellende Antworten liefern.

Los ging es mit dem Nachtragshaushalt der Stadt Wächtersbach, aus dem zwei ehemals von der Stadt zugesagte Fördersummen – in Höhe von 30 000 Euro für die Sanierung des August-Grefe-Hauses und in Höhe von 170 000 Euro für die Sanierung der Loosgasse – „verschwunden“ waren. Laut Anja Piston-Euler, der stellvertretenden Ortsvorsteherin, sei im Frühjahr 2022 die Sanierung der Heizung im August-Grefe-Haus vorgesehen: Bis dahin habe der Ortsbeirat mit den 30 000 Euro gerechnet, die seit vielen Jahren im Haushalt eingestellt gewesen seien. Beyer erklärte, dass das Geld nicht für eine Heizungssanierung, sondern etwa für eine Neuanschaffung von Tischen geplant gewesen war. Vor der Klärung der Verwendungsmöglichkeiten müsse aber zunächst der tatsächliche Bedarf ermittelt werden. Sollte eine komplette Sanierung in Frage kommen, versicherte er, dass die Fördersumme in jedem Fall fließen werde. „Es ist in der Halle noch einiges mehr zu tun als nur für 30 000 Euro“, resümierte er. Zum Thema Loosgasse könne er keine Auskunft geben, er sei nicht informiert, doch eine Sanierung sei „wohl dringend erforderlich“. Beide Sachverhalte sollen im Magistrat geprüft und ihr Ergebnis dem Ortsbeirat mitgeteilt werden.

Zum Sachstand des geplanten Neubaugebiets im Bösweg stellte Beyer die Ergebnisse einer Prüfung durch Fachbehörden im April 2022 in Aussicht. Vier der möglichen Bauplätze seien ohne Probleme zu bebauen, die restlichen acht durch ihre Topographie „etwas mit Problemen behaftet“, erläuterte er. Die Neigung des Geländes mache eine Hebeanlage notwendig und die Grundstückspreise aufgrund der höheren Erschließungskosten über den ortsüblichen Vergleichswert befördern (die GNZ berichtete). Ortsvorsteher Frank Berneburg kritisierte, dass man bei der vorangegangenen Ortsbeiratssitzung, in der das Thema bereits auf der Tagesordnung gestanden hatte, schon damals „zwei Schritte weiter gewesen“ sei. Dann stagnierte das Projekt, weil das Kreisbauamt die Klarstellungssatzung nicht akzeptierte, doch sei derzeit ein neuer Kreisbauamtsleiter mit der Sache befasst: Dieser prüfe „sehr wohlwollend“ im Sinne von Bürgermeister Andreas Weiher, der hinter der Bebauung stehe und das Baugebiet ermöglichen möchte.

In den nächsten Wochen wird nach Angaben des Magistrats auch der bisher verzögerte Bau der Seniorendependance in greifbare Nähe rücken: Die Gewerke für Rohbau, das Dach und Fenster sollen dann ausgeschrieben werden, eine Grundsteinlegung ist im Frühjahr 2022 zu erwarten. Berneburg bemängelte, dass mit dem Ortsbeirat zu diesem Thema trotz entsprechender Zusagen aus der Stadt zu wenig kommuniziert worden sei.

Brennend interessierte sich der Ortsbeirat für den Sachstand der Weißflächen „auf der Platte“ zwischen Waldensberg und Spielberg. „Der letzte Bau der Windkraftanlagen ist für uns in die Hose gegangen“, erinnerte Berneburg, „Waldensberg will kein zweites Mal reinfallen“. Beyer indes verwies lediglich darauf, dass die Stadt die Errichtung weiterer Windräder schon vor Jahren abgelehnt hätte. Tiefergehende Informationen lägen ihm nicht vor, zudem bedeute die Bezeichnung „Weißfläche“, dass auf ihr nichts errichtet werden dürfe. Anja Piston-Euler korrigierte, bei einer Weißfläche handele es sich um eine noch unbeplante Fläche, auf der durchaus auch gebaut werden könne. Sie könne entweder dem Ausschlussraum zugewiesen oder als Vorranggebiet zur Nutzung der Windenergie festgelegt werden – wie hier bereits geschehen. Drei Windkraftanlagen stehen bereits, weitere zwei könnten folgen. Die Betreiber würden bereits Grundstückseigentümer kontaktieren und mit Angeboten locken, ging aus der vergangenen Ortsbeiratssitzung in Brachttal-Spielberg hervor – nicht ohne Grund, ist sich Piston-Euler sicher. Sie machte deutlich: „Die Windräder stehen zwar überwiegend auf Brachttaler Grund, nichtsdestotrotz haben wir sie ebenso vor der Tür.“ Der Ortsbeirat pocht hier auf einen Sachstand aus dem Magistrat.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 8. Dezember.

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