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Niedergeschrieben für die Ewigkeit

Historiker Dr. Georg-Wilhelm Hanna entdeckt das Aufenauer Gerichtsbuch

23 Jun 2017 / 10:29 Uhr
Wächtersbach-Aufenau (re). Im Heimatmuseum von Eichenzell hat der Historiker und frühere Leiter des Zentrums für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises (1986 bis 1997), Dr. Georg-Wilhelm Hanna, einen wissenschaftlich wertvollen Folianten mit den Papiermaße 21x32 Zentimetern entdeckt. Beim Opus handelt es sich um das in Schweinsleder gebundene Gerichtsbuch von Aufenau aus dem Jahr 1544 mit etwa 600 Seiten und handgeschriebenen Urteilen. Auch ein Wasserzeichen ist erkennbar. Wie dieses Gerichtsbuch, das 1641 endet, in das Fuldaer Land und nach Eichenzell kam, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Denkbar sind verwandtschaftliche Beziehungen zu den von Ebersberg, die so in den Besitz gelangten. Im Zuge der Eichenzeller Schlosssanierung zu Ende des letzten Jahrhunderts mag es wohl wiederentdeckt und in die museale Sammlung verbracht worden sein.

Die ehemalige Herrschaft Aufenau – heute in die Stadt Wächtersbach eingegliedert – hat eine wechselvolle Geschichte, die nunmehr in Teilbereichen neu geschrieben werden kann. Das Gericht Aufenau wiederum bestand aus den Dörfern Aufenau, Neudorf und dem Hain bei Wächtersbach sowie dem Schloss Kinzighausen.

Das Dorf Aufenau war 1360 wahrscheinlich im Besitz der Mulich. Seit 1365 hatten die Forstmeister von Gelnhausen das Dorf als lißbergisches und seit 1396 als rodensteinisches Lehen. Nachdem es an die Landgrafen von Hessen als Nachfolger der Grafen von Ziegenhain fiel, die seit 1335 Lehnsherren der Lißberger waren und Ansprüche erhoben hatten, wurden 1501 die Herren von Küchenmeister zu Wächtersbach – sie sind 1569 im Mannesstamm erloschen – mit dem Gericht belehnt. Doch besaßen die Forstmeister von Gelnhausen nach wie vor die Gerichtshoheit.

Um 1550 waren die im Dienst im Büdinger Wald reich gewordenen Reichsritter und Freiherren Forstmeister von Gelnhausen im Kanton Odenwald des Ritterkreises Franken inkorporiert. Im 18. Jahrhundert musste sie sich vom Besitz der reichsunmittelbaren Herrschaft Aufenau trennen und diese wegen Überschuldung 1781 an das Erzstift Mainz verkaufen. Schloss Kinzighausen und Neudorf zählten dann zu den Mitgliedern des Kantons Mittelrheinstrom des Ritterkreises Rhein. In der Folge 1787 mit dem Oberamt Orb vereint, gingen die Orte 1812 ebenfalls an Bayern über, von dem sie 1866 dann an Preußen kamen.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 23. Juni.

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