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Vertrauen und Zutrauen

Gerhard Gleis hat in 27 Jahren als Schulleiter die Genth-Schule geprägt

14 Aug 2019 / 22:21 Uhr
Wächtersbach (erd). Gerhard Gleis, der Schulleiter der Wächtersbacher Friedrich-August-Genth-Schule, wird heute in den Ruhestand verabschiedet. 27 Jahre lang hat er als Rektor die Schule maßgeblich geprägt, sei es durch Erweiterungsbau und Sanierungen, aber noch mehr pädagogisch und inhaltlich. Durch Fordern und Fördern werden schulische Ziele erreicht, aber noch wichtiger erscheint Gleis, dass seine Schüler fürs Leben lernen, respektvollen Umgang verinnerlichen und den Wert der Demokratie verstehen. Gleis schmerzt, dass es nicht gelungen ist, eine Oberstufe zu bekommen, obwohl die Schülerzahl ausgereicht hätte.

Gerhard Gleis erinnert sich an seine Anfangszeit an der damaligen Gesamtschule Wächtersbach. Der Gestank in der Eingangshalle sei oft schlimm gewesen. Das lag daran, dass dort Teppichboden verlegt war. Und wenn die Schüler bei Regen in großer Zahl in die Schule strömten, wurde dieser nass und das Gemüffel begann. Die Sanierung der Eingangshalle war das erste große bauliche Vorhaben, das Gleis anstieß. Und davon waren noch einige notwendig. Der im Jahr 2001 eingeweihte Erweiterungsbau hat die Schule erheblich verändert. Mit diesem gab es endlich eine Aula für Veranstaltungen, die vorher meist in der Eingangshalle abgehalten werden mussten. Auch die Zeit der Wanderklassen ohne festen Klassenraum war damit vorbei. Der damalige Bürgermeister Rainer Krätschmer hatte sich im Kreistag für den Anbau stark gemacht.

Und doch wurde die Schule baulich bald in Frage gestellt. Eine extrem aufwändige PCB-Sanierung fraß Millionen Euro auf, obwohl kaum etwas zu sehen war und die Arbeiten viele Monate dauerten. Auch neue Fenster und eine geänderte Raumaufteilung erhielt die Schule. Schließlich wurden noch die Toiletten und die Räume der Naturwissenschaften erneuert und der Brandschutz saniert. Fast 9 Millionen Euro steckte der Main-KinzigKreis in den Schulstandort.

Das sind die baulichen Leistungen, welche sofort ins Auge fallen. Für den Pädagogen Gleis wiegen aber die schulischen Inhalten viel schwerer, denn die erlernten Fähigkeiten prägen Generationen von Schülern und damit die Wächtersbacher Gesellschaft.

Motivation ist eines der Stichworte, die Gerhard Gleis vorgibt. Dabei gehe es um Vertrauen und Zutrauen. Die Freie Selbstständige Arbeit (FSA) ist ein pädagogisches Konzept, das dies fördert. Doch Gleis nennt ein Beispiel außerhalb des normalen Unterrichts. Dabei geht es um den Getränkeautomaten, den seine Klasse selbstständig betrieb. Getränke bestellen, Automat auffüllen, Leergut zurückgeben, Einnahmen zählen und bei der Bank einzahlen, Wechselgeld auffüllen, Angebot den Bedürfnissen anpassen, Buch führen. Der Automat ist komplexer als gedacht. Die Schüler haben das Vertrauen jedoch gerechtfertigt, sich etwas zugetraut und wurden durch den Erfolg belohnt. „Das ist wertvoller als so manche Unterrichtsstunde. Die Schüler haben fürs Leben gelernt und Selbstvertrauen getankt“, sagt der Schulleiter.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 15. August.

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