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Zoff um das Schlossrestaurant

Die Wächtersbacher Linke und der ehemalige Pächter des Schlossrestaurants werfen Bürgermeister Andreas Weiher und seinem Bruder Vetternwirtschaft vor, der Rathauschef bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer politischen Hetzjagd

31. August 2022 / 17:15 Uhr
Wächtersbach (nh). In einer Pressemitteilung hat die Linke Wächtersbach Vorwürfe gegen Bürgermeister Andreas Weiher (SPD) und seinen Bruder Rüdiger Weiher geäußert. Gemeinsam mit dem ehemaligen Pächter des Restaurants am Schloss wirft die Fraktion dem Bürgermeister Vetternwirtschaft in Bezug auf die Gaststätte im renovierten Schloss und Mobbing vor. Der Bürgermeister bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Aussagen seinerseits als politische Hetzjagd.

Im Jahr 2019 wurde die Rennovierung des Wächtersbacher Schlosses abgeschlossen. Es fehlte nur noch das Restaurant, und mit dem 24-jährigen Koch Lars Wolf hatte sich ein geeigneter Pächter gefunden, so schien es. Rund zweieinhalb Jahre später, am 30. April, wurde das Pachtverhältnis jedoch beendet, wie die GNZ am 25. Juni berichtete. „Verträge sind einzuhalten, damit ist alles gesagt“, sagte Weiher damals zu den Gründen. Anfang August kündigte Weiher an, den neuen Pächter noch im laufenden Monat vorstellen zu wollen.

Angelika Silberling-Antoni (Die Linke) nahm daraufhin Kontakt mit dem alten Pächter Lars Wolf auf, um die andere Seite der Geschichte zu hören, wie sie der GNZ schilderte. Wolf habe sich 2019 gemeinsam mit anderen Interessenten um einen Pachtvertrag mit der Stadt beworben. Die Wahl fiel auf ihn – allerdings weil alle anderen Bewerber einen Rückzieher gemacht hätten, wie Wolf berichtete. Das teilte der Bürgermeister in der entsprechenden Pressemitteilung allerdings nicht mit. Er stellt es so dar, als ob Wolf als der beste Bewerber unter vielen ausgewählt worden wäre.

Den Vertrag bekommt Wolf jedoch nicht ohne Bedingungen: Er habe sowohl Rüdiger Weiher, der Bruder des Bürgermeisters, als auch dessen guter Freund Sebastian Dieckhoff, beide ebenfalls Gastronomen, anteilig an der Geschäftsführung beteiligen müssen.

In der neu gegründeten „Schloss Wächtersbach Betriebsgesellschaft mbH“ tauchte jedoch nur Wolf als Geschäftsführer und Dieckhoff als Prokurist auf. Das liege allerdings daran, dass der Bürgermeister im Hinblick auf die Ende 2019 anstehende Kommunalwahl kein Risiko eingehen wollte, vermutet Wolf. Schließlich sei zu dieser Zeit ein „Raunen“ durch die Stadt gegangen, als Gerüchte aufkamen, dass der Bruder des Bürgermeisters das Restaurant im Schloss übernehme. „Für einige hatte das ‚ein Geschmäckle‘, für andere sah es nach Vetternwirtschaft aus“, wie die Linke in ihrer Pressemitteilung schreibt. Deswegen seien die Anteile an der Firma kurz vor dem Notartermin umverteilt worden: Wolf habe die angedachten 70 Prozent erhalten, während Dieckhoff die restlichen 30 Prozent übernahm, statt der ursprünglich geplanten 20 Prozent. Die restlichen 10 Prozent seien ursprünglich für Rüdiger Weiher vorgesehen gewesen. Der sollte zwischenzeitlich als Berater der Firma eingestellt werden. Sobald „Gras über die Sache gewachsen“ sei, wollte Rüdiger Weiher seine 10 Prozent erhalten.

Der Bruder des Bürgermeisters zeigte sich im Vorwort des Gewerbevereinsblättchens glücklich über diese Entwicklung, auch Bürgermeister Andreas Weiher freute sich in einer Pressemitteilung: „‚Schloss – e1ns‘ bietet eine saisonale, regionale, deutsche Küche mit Pfiff an. Das Restaurant soll im Frühjahr 2021 eröffnet werden.“

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 1. September.

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